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Reiseberichte von Hausboot-Urlaubern

 

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Mit dem Hausboot
durch Aquitanien

 

Aquitanien im Herbst 2004

2 Wochen vom 18. September bis 2. Oktober
Boot 1: Crown Blue Line "Crusader"
Basis 1: Le-Mas-d'Agenais
Boot 2: Connoisseur "Flying Bridge 1140"
Basis 2: Castelmoron


Aquitanien mit dem Hausboot - das ist die wahre Erfüllung ! Ein Revier, das uns drei Wasserwege erschließt: die Baïse, den unteren Lot und den Garonne-Seitenkanal. Und so haben wir auch gleich begeistert gebucht, wobei uns der klein gedruckte Hinweis in den Prospekten, dass die Garonne im Frühjahr Hochwasser führen könnte, dazu bewogen hat, unsere Reise in den Herbst zu verlegen. Man muss nämlich wissen, dass die Verbindung zwischen Lot und Baïse über eine etwa 5 km lange Strecke direkt im Fluss Garonne verläuft, da die Baumeister des Canal du Midi leider vergessen haben, hier eine geeignete Kanalbrücke zu errichten. Und so ist man von den Launen der Natur abhängig.

Umso entsetzter waren wir, als uns Hausboot Böckl drei Tage vor der Abreise darüber informierte, dass die Überfahrt über die Garonne wegen Niedrigwassers nicht möglich sei. Da wir die gebuchten zwei Wochen nicht auf dem Lot auf- und abschippern wollten, kam uns der Vermieter in so ferne entgegen, dass er uns eine kostenlose Umbuchung anbot. Glücklicherweise war in der Basis "Le Mas d'Agenais" von Crown Blue Line ein geeignetes Boot für eine Woche frei, von wo aus wir die Baïse erkunden konnten. Für die zweite Woche würden wir dann mit dem Auto zur Basis "Castelmoron" von Connoisseur weiterfahren und das ursprünglich geplante Boot für die Erkundung des Lot übernehmen. Also weitgehend alles gerettet, wenn man davon absieht, dass das Ein- und Ausräumen des Bootes nicht gerade zu den lustigsten Dingen eines Hausbooturlaubs gehört. Aber damit konnten wir leben …

Nach kurzfristiger Umplanung unseres Reiseablaufes setzten wir uns am Mittwoch, den 15. September 2004 in Wien ins Auto und machten uns auf die Reise. Die erste Tagesetappe führte uns bis Feldkirch, wo wir im Hotel "Montfort" nächtigten. Am nächsten Tag (Donnerstag) fuhren wir dann durch die Schweiz nach Frankreich, in die Region Auvergne. Im nahe von Clermont-Ferrand gelegenen Dörfchen Orcines bezogen wir im Hotel "Le Relais des Puys" Quartier. Den Freitag nutzten wir zum Besuch des Themenparks "Vulcania", der baulich vom österreichischen Architekten Hans Hollein hervorragend gestaltet wurde und in beeindruckender Weise eine Fülle von Informationen zum Thema "Vulkanismus" bietet. Da die Auvergne früher selbst ein Vulkangebiet war, fuhren wir am Nachmittag auf den Puy-de-Dôme, einen imposanten Vulkankegel und Aussichtsberg auf Clermont-Ferrand und die ganze Kette der "Puys" in der Auvergne.

Dann aber war das Vorprogramm zu Ende und wir fuhren am Samstag, zuerst über die Autobahn bis Cahors und dann durch das Tal des Lots, zu unserer ersten Bootsbasis in "Le Mas d'Agenais". Seit Neuestem gibt es von den Bootsvermietern ein "Einkaufsservice": im Internet kann man eine Liste mit ausgewählten Lebensmitteln und Haushaltsartikeln herunterladen, ausfüllen und an die Basis faxen. Die bestellten Artikel werden dann eingekauft und sollten sich bei Übernahme schon an Bord befinden. Trotzdem machten wir in der Stadt Tonneins halt und besuchten einen Supermarkt, um uns noch mit Fleisch, Wurst, Käse und anderen Frischwaren einzudecken, die auf der Liste nicht angeboten werden.

Nachfolgend eine Zusammenfassung unseres Bordbuches:

Samstag, 18. September 2004
Es hat Hochsommertemperaturen von 28°, als wir gegen 14:30 Uhr an der Basis in Mas d'Agenais eintreffen. Die Basis liegt auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Garonne-Seitenkanal und dem Fluss Garonne, direkt neben der Schleuse 44. Im Büro werden wir von einer netten Dame empfangen, die gerne ihre Deutsch-Kenntnisse auffrischen möchte und daher keine Sprachprobleme aufkommen lässt. Der administrative Kram ist bald erledigt und wir können unser Boot beziehen, eine Crown Blue Line vom Typ "Crusader". Diesen Bootstyp haben wir erst durch die kurzfristige Umbuchung zugeteilt bekommen, ist uns nur vom Prospekt her bekannt und muss daher gebührend bestaunt werden. Es ist uns zwar um eine Nummer zu groß, weil wir eine Doppelkabine mit Nasszelle zu viel haben, aber das können wir ganz gut als zusätzlichen Stauraum nutzen, von dem es auf einem Hausboot ohnehin immer zu wenig gibt. Die von uns vorbestellten Lebensmittel sind schon an Bord und die wichtigen Dinge, wie Wein und Bier, bereits eingekühlt. Die Franzosen wissen eben, worauf es ankommt im Leben !

Die halbstündige Instruktion muss ich dann auf französisch und englisch über mich ergehen lassen, allerdings mit der Schwierigkeit, dass der Instruktor seinerseits gleichzeitig durch den Chefinstruktor in der Kunst der Instruktion instruiert wird. So erleben wir eine Art "Doppelkonference", bei der Manches auf der Strecke bleibt. Aber ich fahre ja nicht das erste Mal mit einem Hausboot und die Unterschiede zu anderen Bootstypen habe ich bald begriffen.

Um 16:30 Uhr legen wir ab und fahren auf dem Garonne-Seitenkanal Richtung Osten. Der Kanal ist, wie wir es bereits vom Canal du Midi her kennen, beidseitig mit Platanenalleen bewachsen. Die Schleusen sind halbautomatisch, wobei die Anmeldung durch Drehen einer herunter hängenden Stange erfolgt. Auch dieses System kennen wir schon vom Oberlauf der Saône.

Um 17:40 Uhr finden wir in Villeton einen netten Anlegeplatz, wo wir über Nacht bleiben wollen. Gleich nebenan befinden sich eine Pizzeria und das Gemeindeamt, viel mehr ist von dem Dörfchen nicht zu sehen. Wir nützen den Sonnenschein noch zu einem Abendessen am Oberdeck, dann richten wir uns in den Kajüten ein und fallen gegen 22:00 Uhr in die Betten.

Tagesleistung
Strecke: Le Mas d'Agenais - Villeton
Fahrkilometer: 7
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 1 Stunde 10 Minuten

 

Sonntag, 19. September 2004
Heute ist es stark bewölkt bei 15° Morgentemperatur. Da die Schleusen hier ohnehin erst um 09:00 Uhr den Dienst antreten, trödeln wir noch ein wenig herum, füllen sicherheitshalber den Wassertank auf und legen erst um 09:20 Uhr ab. Wir müssen uns mit den An- und Ablegemanövern erst einmal an das neue Boot gewöhnen. Elisabeth, die die Vorleine bedient, konnte auf den bisherigen Reisen das Vordeck immer vom Salon aus betreten. Bei diesem Boot ist das nicht möglich, sondern man muss außen herum turnen, was sie nicht gerne macht, weil sie ein wenig unter Geh-Unsicherheit leidet. Aber bevor sie ihren angestammten Aufgabenbereich wechselt, überwindet sie sich, klettert nach vorne, unter der Bugreling durch und findet dort wieder einen sicheren Platz für die Bedienung der Bugleine. Und da steht sie nun, wie Kate Winslet im Film "Titanic" - nur leider ohne Leonardo di Caprio.
Nach erfolgreicher Überwindung von 2 Schleusen landen wir gegen 11:40 Uhr am Anlegeplatz in Buzet-sur-Baïse, wo wir eine Mittagspause einlegen wollen. Während Elisabeth, die auch für die Verpflegung hauptsächlich zuständig ist, ihre Bratwürste in die Pfanne haut, mache ich einen kurzen Radausflug zur Schleuse, die uns vom Garonne-Seitenkanal zur Baïse hinunterführen soll. Ich möchte nämlich wissen, ob dort eine Mittagspause gehalten wird, oder nicht. Das ist aber (wie auf der ganzen Baïse) nicht der Fall, und wir können uns nach dem Essen gleich wieder auf die Fahrt machen. Bei der Abstiegschleuse handelt es sich um eine Doppelschleuse, die von Schleusenwärtern bedient wird. Wir erhalten während unserer Abschleusung eine Karte ausgefolgt, die für die Selbstbedienung der weiteren Schleusen auf der Baïse erforderlich ist.

Wir unterqueren den Garonne-Seitenkanal, auf dem uns, wie bestellt, ein Boot begegnet. Auf der Baïse selbst fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Die Ufer sind dicht bewachsen, weit und breit keine Möglichkeit für eine Anlandung abseits der Zivilisation. Umgestürzte Bäume, Untiefen, Engstellen erfordern hohe Aufmerksamkeit am Steuer. Auch entgegen kommenden Booten kann man so einfach nicht überall ausweichen, aber zum Glück ist wenig Betrieb. Dafür kommt das Naturerlebnis nicht zu kurz, überall begegnen uns Reiher, Eisvögel, Nutrias und Vieles mehr.

Auch die Schleusen sind ein Erlebnis: sie haben zunächst einmal grundsätzlich keine Ampelsignale. Beim aufwärts Schleusen entwickeln wir folgendes Verfahren: bei der Annäherung an die Schleuse muss Franz an einem Mini-Steg (etwa halbe Bootlänge) abgesetzt werden. Ist das Schleusentor offen, kann man einfahren, andernfalls muss man das Boot gut festmachen, da der Steg meist direkt unter dem Schleusentor liegt und es sonst beim Ablassen des Wassers fest herum gebeutelt wird. Franz muss indessen das Bedienpult der Schleuse suchen. Befindet sich ein anderes Boot in der Schleuse oder wartet schon wer am Bedienpult, haben wir Pause, ansonsten darf er seine Karte einführen, was das Umfluten der Schleuse auslöst. Ist man einmal drin in der Schleuse, ist eine weitere Kartenaktivität erforderlich um den Schleusenvorgang auszulösen.

Gegen 16:30 Uhr kommen wir in Lavardac an, wo wir einen schönen Liegeplatz finden. Wir machen eine kleine Wanderung (ca. 3 km) nach Barbaste, wo es eine eindrucksvolle befestigte Mühle aus dem 13. Jahrhundert zu sehen gibt. Im angeschlossenen Laden mit Souveniers und Landesprodukten gibt es allerlei Spezialitäten zu verkosten: wir erstehen eine Flasche Armagnac (zu medizinischen Zwecken) und einen "Floc des Gascogne". Das ist eine Komposition aus Traubenmost und Armagnac und schmeckt ein bisschen wie Süßwein. Muß kalt serviert werden und ist nicht nur für Damen ! Der Rückweg geht gleich leichter von der Hand und führt uns durch den Ort Lavardac, der uns aber nicht besonders beeindruckt.
Auffällig sind die vielen Auslands-Franzosen, die offensichtlich die Substandard-Wohnungen bevölkern. Das ist uns in der ganzen Region in den ärmeren Gebieten besonders aufgefallen. Abendessen an Bord.

Tagesleistung
Strecke: Villeton - Lavardac
Fahrkilometer: 26
Schleusenkammern: 6
Reine Fahrzeit: 5 Stunden 22 Minuten

 

Montag, 20. September 2004
Der Tag begrüßt uns mit 11° und wolkenlosem Himmel. Franz geht täglich seinem Morgensport nach und besorgt uns frische Baguettes für das Frühstück. Die schöne Bäckersfrau von Lavardac lenkt ihn aber dermaßen ab, dass er auf die bestellten Kuchen vergisst und ohne Murren gerne noch einmal hingeht.
Wir legen um 09:00 Uhr ab und fahren weiter die Baïse aufwärts. Schon bei der nächsten Schleuse müssen wir feststellen, dass deren Breitenmaß weiter abgenommen hat und rechts und links nur etwa 20 cm Platz bleiben, dabei ist unser Boot nur 3,90 m breit. Jedenfalls braucht man beim Ein- und Ausfahren immer ein bisschen Gleitmittel ! Ein anderes Problem sind die Poller in den Schleusen. Sie befinden sich an den seltsamsten Stellen, nur nie dort, wo man sie braucht. Und das Material variiert zwischen den problemlosen Metallpollern und uralten Steinpollern, bei denen die Leinen nicht ordentlich laufen. Jedenfalls schleusen wir gerade in der Schleuse "Bapaume", das Wasser läuft von oben ein, der übliche Wasserstrom trifft uns vom oberen Schleusentor. Da dreht plötzlich die Schwallrichtung um und wir fahren blitzartig auf das obere Schleusentor zu. Die Leinenmannschaft ist verwirrt und kräftemäßig überfordert. Nur mit Mühe und Motoreinsatz können wir das Boot wieder stabilisieren. Ich vermute, dass sich die Schleusenschieber plötzlich stark geöffnet haben und das Wasser, das wegen der schmalen Schleuse seitlich nicht vorbei kann, unter dem Boot hindurch strömt, am unteren Schleusentor reflektiert wird und so diesen Vorwärtsschwall erzeugt. Jedenfalls schwöre ich mir, während der Schleusung den Führerstand künftig nicht mehr zu verlassen.

Zu Mittag legen wir in Nérac unterhalb der Schleuse an. Franz und ich gehen in den Supermarkt und ergänzen unsere Lebensmittel, während die Damen das Mittagessen bereiten. Anschließend geht's wieder weiter, wir passieren die Schleuse und fahren weiter die Baïse aufwärts. Dabei machen uns immer wieder undisziplinierte Hausbootfahrer Probleme, die an den kleinen Anlegestegen vor den Schleusen auch noch längere Pausen abhalten. Beim ersten, einem Australier, haben wir noch gelacht und die angebotenen Schokolade angenommen, beim nächsten waren wir dann schon ärgerlich.

Aber auch die Schleusen haben wir noch nicht im Griff: in einer Schleuse sind die verfügbaren Poller so angebracht, dass sie näher zusammen stehen, als das Boot lang ist. Als dann wieder einmal der schon erwähnte Vorwärtsschwall entsteht, nützt es nichts, dass Regina die Heckleine straff zieht, im Gegenteil, das bewirkt nur einen weiteren Zug nach vorne. Wieder können wir das Boot nur mit Mühe im Rückwärtsgang stabilisieren und die rechte Heckklampe wackelt schon verdächtig.
Gegen 16:30 Uhr legen wir schließlich im Moncrabeau an, das nur über einen sehr bescheidenen Anlegeplatz verfügt, der sich im Laufe des Abends aber noch zur Gänze füllt.

Wir machen einen Rundgang durch die "Welthauptstadt der Lügner", wie sich Moncrabeau selbst gern nennt. Das Städtchen ist recht pittoresk und verfügt über einen Lügenpfad, bei dem an mehreren Stellen Tafeln mit Geschichten aufgestellt sind, deren Wahrheitsgehalt sorgsam abzuwägen ist. Beispielsweise wird an einem Aussichtspunkt geschildert, dass an klaren Tagen im Hintergrund die Pyrenäen zu sehen seien, an besonders klaren Tagen könne man auch den Leuchtturm von Gibraltar erkennen. Wenn nicht, möge man doch wegen der Wetterverhältnisse bei der meteorologischen Anstalt nachfragen. Am Rückweg finden wir einen herrenlosen Feigenbaum mit reifen Früchten, von denen wir ein paar mitnehmen und mit einem Floc de Gascogne als Aperitif in der letzten Abendsonne an Deck genießen. Abendessen an Bord.

Bei der Abendbesprechung diskutieren wir noch einmal die Probleme mit dem Kräfteparallelogramm bei den Leinenmanövern und beschließen eine neue Strategie in den bevorstehenden Schleusen: sollten die Poller ungünstig stehen oder nicht aus Metall sein, wird Franz, der sich ja für die Schleusenbedienung ohnehin an Land befindet, die jeweils strategisch wichtigere Leinen von dort aus bedienen.

Tagesleistung
Strecke: Lavardac - Moncrabeau
Fahrkilometer: 22
Schleusenkammern: 11
Reine Fahrzeit: 6 Stunden 10 Minuten

 

Dienstag, 21. September 2004
Heute ist es bewölkt bei 13° Morgentemperatur. Franz besucht im Rahmen des Morgensports noch einmal unseren Feigenbaum von gestern. Heute allerdings mit einem Regenschirm bewaffnet, um auch die höheren Äste zu erreichen. Der Bootshaken wäre noch effektiver gewesen - aber wie sieht das denn aus … ?
Wir füllen unseren Wassertank wieder nach und legen um 09:15 ab. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die Grenze zwischen den Regionen Aquitaine und Midi-Pyrénées. Damit wechselt auch das Departement von "Lot-et-Garonne" auf "Gers" und ob sie es glauben, oder nicht, man merkt den Wechsel auf der Baïse. Wurde bisher als Markierungsboje alles hergenommen, was schwimmt, oder Schifffahrtzeichen einfach aus der Straßenmeisterei entliehen, hat plötzlich alles seine korrekte Ordnung. Die Ursache scheint darin zu liegen, dass die Baïse als Wasserweg nicht von der staatlichen Organisation VNF (Voies Navigables de France) betreut und verwaltet wird, sondern von einer Regionalorganisation - und die wechselt eben an der Grenze !

Unsere gestern beschlossene Schleusenstrategie bewährt sich bestens, wir haben die Sache nun offensichtlich im Griff. Um 11:30 Uhr passieren wir die Stadt Condom, die wir aber erst auf dem Rückweg besuchen wollen. Die meisten Schleusenwärterhäuschen sind privatisiert, in der Schleuse "Gauge" hat sich sogar ein Restaurant angesiedelt: "Moulin du petit Gascogne". Sieht sehr nett aus, aber heute leider geschlossen. Die Schleuse von Graziac ist eine Doppelschleuse und wird von Schleusenwärtern bedient. Je weiter wir die Baïse aufwärts kommen, umso enger und unübersichtlicher werden die kanalisierten Ausfahrten im Oberwasser der Schleusen. Na, das kann ja was werden bei der Rückfahrt ! Aber zunächst heißt es den Blick vorwärts zu richten, denn wir wollen heute noch die Abtei von Flaran besuchen, die laut Karte über einen eigenen Anlegesteg für die Besucher verfügt. Beim näher Kommen stellt sich heraus, dass der Anleger höchstens 1 Boot aufnehmen kann und zu allem Überdruss auch noch besetzt ist - aber nicht von jemandem, der auf Kulturtrip in der Abtei ist, sondern von einem Hausboot-Camper, der am Steg gerade seinen Holzkohlengriller anfacht. Und da es - wie fast auf der ganzen Baïse - auch hier keine Möglichkeit gibt, abseits des Anlegers fest zu machen, weil überall Büsche weit ins Wasser herein ragen, müssen wir knurrend nach Valence-sur-Baïse weiterfahren, was wir eigentlich gar nicht wollten. Aber auf eine Schleuse mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an. Ankunft um 13:50 Uhr. Der Hafen von Valence-sur-Baïse ist recht nett ausgebaut und stellt derzeit das obere Ende der Befahrbarkeit auf der Baïse dar.

Wir aber brechen zu einer kleinen Fußwanderung zur Abbaye-de-Flaran auf, die uns nach einem etwa 1,5 km langen Marsch am Straßenrand wieder zu unserem Grill-Freund bringt, der in der Zwischenzeit die ersten Kotletts schon serviert.
Die Abtei von Flaran ist ein Zisterzienserbauwerk aus dem 12. Jahrhundert. Nachdem die Kirche vor wenigen Jahren den Flammen zum Opfer gefallen ist (es war aber nicht der Griller !), hat der Staat das Bauwerk übernommen, restauriert und ein Kulturzentrum eingerichtet, in dem laufend verschiedene Ausstellungen stattfinden. Die Besichtigung ist sehr interessant, nur die Kirche besteht leider nur mehr aus den nackten Wänden.

Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder zurück in Valence-sur-Baïse, wo wir gleich wieder ablegen, denn wir wollen heute noch bis Condom zurück fahren. Wie schon befürchtet, machen bei der Talfahrt die engen Schleusenzufahrten Probleme. Von der ohnehin schon engen Baïse zweigt plötzlich ein Stichkanal ab, der nur wenig breiter ist, als das Boot selbst. Am Ende dieses Kanals liegt dann direkt oberhalb des Schleusentores der Wartesteg. Verläuft der Kanal gerade, kann man sehen, ob dort schon einer wartet. Wenn ja, braucht man in den Kanal gar nicht einfahren, weil ein entgegen kommendes Boot gar nicht passieren könnte. Bei längeren Kanälen gibt es noch eine Ausweiche, die aber meist bloß eine Nische mit Leitplanken in den unendlichen Buschzeilen ist. Die Anfahrt auf die Schleuse "Graziac" ist besonders bösartig: lange und gewunden, ohne Sicht zur Schleuse und ohne Wartesteg. Wir tasten uns also vorsichtig heran, setzen Franz ab, damit er mit dem Eclusier Kontakt aufnehmen kann. Da merken wir plötzlich, dass gerade ein Boot aufwärts geschleust wird. Damit es passieren kann, müssen wir ein paar Bootlängen zu einer Ausweiche zurück. Nicht leicht in dem engen Kanal ! Wir schaffen es schließlich, indem uns Franz von Land aus mit der Heckleine ein wenig dirigiert. Beim vorbei Fahren des anderen Bootes hören wir höhnisches Gelächter und den netten Hinweis, dass die Schleuse schon geschlossen wird. Das können wir uns aber nicht ganz vorstellen, weil nach offiziellen Angaben die Schleusen bis 19:00 Uhr in Betrieb sein sollen. Na, wir kommen noch dran, aber dann versperrt der Schleusenwärter tatsächlich mit Kette und Vorhängeschloss das obere Schleusentor und zieht sein Kurbeln ab. Zu seiner Ehrenrettung sei aber gesagt, dass bei unserer Ausfahrt von unten noch ein Boot kommt und er seufzend wieder alles aufsperrt …

Um etwa 18:30 Uhr legen wir schließlich in Condom an, wo es ausreichend Liegeplätze gibt. Anschließend Stadtrundgang. Ganz in der Nähe der Kathedrale finden wir ein einfaches, aber originell eingerichtetes Lokal ("La Cambuse", Place Bossuet), in dem wir ausgezeichnet zu Abend essen und den ereignisreichen Tag ausklingen lassen.

Tagesleistung
Strecke: Moncrabeau - Valance-sur-Baïse - Condom
Fahrkilometer: 32
Schleusenkammern: 11
Reine Fahrzeit: 7 Stunden 07 Minuten

 

Mittwoch, 22. September 2004
In der Nacht hat es ein wenig geregnet, aber der Morgen ist wieder wolkenlos bei 11°. Wir legen gegen 09:00 Uhr ab und nehmen den Kampf mit den Schleusen wieder auf. Bei der Schleuse "Beauregard" fällt uns zwar auf, dass der obere Wartesteg kürzer ist, als bei den anderen Schleusen, aber wir messen dem keine Bedeutung zu und verheften das Heck nur halbherzig. Das rächt sich aber in Kürze: als nämlich die Schleuse Wasser einlässt, tritt der "Badewanneneffekt" ein und wir treiben quer, treten mit dem anderen Ufer in Kontakt und da der Wasserstand in dem engen Kanal schlagartig sinkt, sitzen wir auch noch ein wenig am Grund auf. Aber das dauert nur solange, bis die Schleuse voll gelaufen ist, dann normalisiert sich der Zustand wieder. Gegen 12:50 Uhr erreichen wir eine der wenigen Landeplätze außerhalb der Städte. Er liegt bei Flusskilometer 6 an der Kreuzung mit der D112. Wir machen fest und nehmen einen kleinen Imbiss auf den einladenden Picknick-Tischen. Dann geht es wieder weiter auf Nérac zu, unserem heutigen Tagesziel. Bei der langen Anfahrt zur Schleuse "Pacheron" sehen wir am Wartesteg bereits ein Hausboot liegen und fahren in den Ausweichplatz. Mühsam fädeln wir die Leinen um die Leitplanken und machen das Boot fest. Franz balanciert irgendwie an Land, um für uns als nächstes Boot die Schleusung vorzubereiten. Nach kurzer Zeit kehrt er wieder zurück und berichtet, dass die Insassen des wartenden Bootes keine Anstalten zum Schleusen machen, sondern genüsslich Kaffee trinken. Wütend machen wir wieder los und schimpfen im Vorbeifahren in allen Sprachen, die uns einfallen.

Gegen 16:30 Uhr nähern wir uns Nérac. Den letzten Kilometer verläuft der Fluss entlang des städtischen Parks. Hundebesitzer, Jogger, Pensionisten und lärmende Schulklassen begleiten uns. Der Hafen von Nérac ist voll mit Booten angefüllt, am linken Ufer keine Lücke, am rechten Ufer auch nur mehr am Gartenzaun eines Restaurants. Da mir das alles nicht besonders gefällt, mache ich im Hafenbecken eine Wendung und versuche etwas oberhalb, bei der Brücke, einen Liegeplatz zu finden. Doch dort ist das Anlegen verboten. Nun ist guter Rat teuer und wir überlegen, die Schleuse noch zu passieren und unterhalb der Schleuse zu nächtigen. Also fahre ich ein Stück in die Parklandschaft hinein und setzte zu einer neuerlichen Wende an. Aber die gelingt irgendwie nicht so richtig: es ist nicht die "Schokoladenseite" des Schiffes und hinten stört mich eine tiefhängende Weide. Jedenfalls zieht es mich magnetisch immer mehr ans Parkufer und schließlich kann ich wegen des Unterholzes weder rückwärts fahren noch seitlich abstoßen und es bleibt nur mehr die Flucht nach vorn. Doch dort befindet sich ein riesiger dürrer Dornbusch. Nach meinem Warnruf geht die Mannschaft in volle Deckung und dann breche ich mit halber Kraft voraus durch den Busch, der dabei in tausend Stücke zerfällt und unser Oberdeck ins Chaos versinken lässt. Die eben noch johlende Schulklasse, neben der sich das alles abspielt, ist mucksmäuschenstill geworden bei unserer Darbietung. Sollte sich unter den geneigten Lesern ein Lehrer befinden, der Probleme hat, sein Klasse ruhig zu stellen, können wir dieses Verfahren empfehlen. Es hat sich in der Praxis bereits bewährt.

Nach dem ersten Schrecken über die angerichteten Verwüstungen trifft uns ein weiterer schwerer Schlag: die österreichische Fahne, besonderer Stolz unseres Bootes, wurde los gerissen und hängt in den noch verbliebenen Teilen des Dornbusches. Und nachdem ohnehin schon alles egal ist, mache ich noch eine Wendung und wir bergen unsere Fahne wieder. Dann haben wir aber genug vom Hafen Nérac, und wir fahren durch die enge Brückendurchfahrt in die Schleuse ein und machen dann unterhalb der Schleuse fest, wo wir schon bei der Hinfahrt zum Einkaufen halt gemacht haben. Nach einer intensiven Schiffsreinigung machen wir eine ausgiebige Besichtigung der reizenden Stadt und landen schließlich in der Pizzeria "La Petite Marie", Rue Sèderie 22, zu einem sehr guten Abendessen.

Tagesleistung
Strecke: Condom - Nérac
Fahrkilometer: 26
Schleusenkammern: 11
Reine Fahrzeit: 7 Stunden 31 Minuten

 

Donnerstag, 23. September 2004
Der Tag beginnt bewölkt mit einer Temperatur von 14°. Elisabeth und ich gehen zum Einkaufen in den Ort, während die Zweitbesetzung der Küche das Frühstück zubereitet. Gegen 09:00 Uhr wollen wir ablegen, aber es ist immer das Gleiche: kaum macht ein Boot Anstalten zum Losfahren, versuchen andere Boote mit Harakiri-Manövern schneller zu sein, um nur ja bei der nächsten Schleuse nicht warten zu müssen. Kopfschüttelnd lassen wir die Eiligen ziehen, warten noch ein paar Minuten, dann fahren wir auf die nächste Schleuse zu. Eine Schweizer Bootsbesatzung hat zu uns aufgeschlossen und wir einigen uns auf eine gemeinsame Schleusung. Damit ist die Suche nach passenden Pollern wieder ausgebrochen, aber Regina findet für ihre Heckleine anstatt dessen einen passenden Befestigungs-Ring. Da sie nicht die ganze Leine durchfädeln will, arbeitet sie mit einer "Schlaufen-Technik". Das funktioniert auch ausgezeichnet, bis das Seil zu der Stelle kommt, wo ein Spleißfehler eine kleine Verdickung hervorruft. Nach einer kurzzeitigen Aufregung, weil das Boot "hängt", gibt die ohnehin schon wackelige Heckklampe nach und unser Problem ist fürs erste behoben. Ab jetzt müssen wir eben mit der backbordseitigen Klampe arbeiten, oder die glücklicherweise vorhandene Mittelklampe einsetzen. Der Schadenregulierung sehe ich gelassen entgegen, weil wir ja eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Aber diese Schleuse (es ist schon wieder "Bapaume") ist unser Waterloo auf der Baïse. Wir passieren Lavardac und vermerken mit Wohlgefallen, dass ab hier die Schleusen wieder breiter werden. Um etwa 11:45 Uhr erreichen wir Vianne, das über einen wirklich großzügig ausgebauten Anlegeplatz verfügt. Wir machen fest und starten zu einer Besichtigung des Städtchens. Es ist wirklich sehenswert: eine vollständig erhaltene "Bastide" mit Stadtmauer, Türmen und den typischen schnurgeraden Straßen der mittelalterlichen Militärarchitektur. Es sind kaum Touristen unterwegs, aber an der Fülle der Restaurants kann man erkennen, dass hier in der Hauptsaison Einiges los sein muss. Bei solchen Angeboten überkommt uns der Hunger und wir setzen uns unter die Arkaden des Restaurants "La Table d'Aliénor", Rue Martyrs de la Résistance. Es gibt ein 4-gängiges Menü um 10 Euro, das uns sehr gut schmeckt, nur das Fleisch hätte etwas mehr durchgebraten sein können.

Zurück an Bord nehmen wir den letzten Abschnitt auf der Baïse in Angriff, und wir kommen nach Überwindung der Doppelschleuse wieder auf den Garonne-Seitenkanal. Kurz nach 17:00 Uhr legen wir am Landeplatz von Buzet-sur-Baïse an, wo wir über Nacht bleiben wollen. Zuvor möchten wir aber noch den allenthalben angepriesenen Weinkeller von Buzet besuchen und die Weine degustieren. Wir folgen also den Hinweisschildern zuerst über die Brücke in den Ort. Dort steht ein weiteres, das uns den Wein in circa 800 Metern Entfernung schmackhaft macht. Aber das ist konservativ geschätzt, denn unser Franz hat immer sein technisches Equipment dabei und misst mit einem Schrittzähler für die Strecke einen guten Kilometer. Kein schöner Weg - es geht immer am Straßenrand dahin. Aber schließlich erscheint am Horizont eine große Fabrikationshalle mit angeschlossenem Verkaufs- und Degustationsbereich. Wir treten erwartungsvoll ein, da wird uns zu verstehen gegeben, dass in 10 Minuten (18:00 Uhr) gesperrt wird. Schnell degustieren wir noch 2 Rotwein- und eine Weißweinsorte, aber bei der Hektik kann man sich nicht konzentrieren. Wir kaufen ein paar Flaschen aus dem "Glückstopf" und ziehen wieder heimwärts. Wir machen noch eine kleine Schleife durch den Ortskern, aber da gibt's es nichts Besonderes. Das Schloss, das man auf einer Anhöhe sieht ist, liegt jenseits der Autobahn ist für uns zu weit entfernt. Abendessen an Bord.

Tagesleistung
Strecke: Nérac - Buzet-sur-Baïse
Fahrkilometer: 22
Schleusenkammern: 7
Reine Fahrzeit: 4 Stunden 57 Minuten

 

Freitag, 24. September 2004
Der Freitag erwartet uns mit unfreundlichem Wetter: es nieselt bei 17°. Trotzdem hat Franz den 20 minütigen Weg zum Bäcker nicht gescheut und so haben wir wenigstens einen Lichtblick: frische Baguettes zum Frühstück. Das Wetter lädt nicht zum Bootfahren ein und so streichen wir unser Vorhaben, noch ein Stück auf dem Garonne-Seitenkanal nach Osten zu fahren. Wir haben somit keine lange Etappe heute, drum warten wir noch ein wenig zu, ob der Regen vielleicht aufhört. Aber aus dem Nieseln wird ein ordentlicher Regen und so kramen wir unsere Schlechtwetterkleidung hervor und legen gegen 10:00 Uhr ab. Das Fahren vom unteren Steuerstand ist bei der Crusader gar nicht so schlecht, denn das Boot verfügt über ein mächtiges Gebläse, das mir die Scheiben immer klar hält. Außerdem ist die Ausstiegsluke vom Salon auf das Oberdeck nur mit einer Plexiglasscheibe verschlossen, sodass man als Schiffsführer auch nach hinten Sicht hat. Das ist ein großer Vorteil gegenüber meinen bisherigen Bootsmodellen, wo man von unten nur mit dem Blindenstock fahren konnte. Strecke und Schleusen machen keinerlei Probleme, das Wetter bessert sich zusehends und als wir gegen 11:50 Uhr in Villeton eintreffen, scheint sogar schon wieder die Sonne. Wir machen fest und hängen unsere Regenbekleidung zum Trocknen auf. Elisabeth zaubert ein Mittagessen aus ihrer Bordküche und die Welt sieht schon wieder rosig aus. Der Nachmittag ist dem Relaxen in der Sonne gewidmet, und nach einer Kaffeejause nehmen wir die letzten paar Kilometer in Angriff. Um 17:10 Uhr erreichen wir wieder die Basis in Le Mas d'Agenais, wo wir mit Mühe rückwärts einparken und mit der fehlenden Heckklampe nicht ordnungsgemäß festmachen können. Aber der Stationschef bringt uns schon dahin, dass wir in seine gerade ausgerichtete Flotte hineinpassen. Elisabeth und Franz machen einen Stadtrundgang, ich gehe mein Auto vom versperrten Parkplatz holen, damit wir heute schon etwas einräumen können. Der Abend ist dem Zusammenpacken unserer Schätze gewidmet. Reste essen an Bord.

Tagesleistung
Strecke: Buzet-sur-Baïse - Le Mas d'Agenais
Fahrkilometer: 19
Schleusenkammern: 3
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 11 Minuten

Die Rückgabe am nächsten Morgen geht problemlos vor sich.
Über die ausgerissene Klampe wird nicht einmal gesprochen.


Zeit für ein Kurzresümee über die 1. Woche:

Fahrstrecke: 154 km mit 48 Schleusenkammern, reine Fahrzeit 36,5 Stunden

Die Baïse ist eine eindrucksvolle Naturlandschaft, die aber nur vom Boot aus bewundert und kaum betreten werden kann.

Die Infrastruktur, wie Anlegestellen etc. ist minimalistisch ausgebaut. Mit fast dem gleichen Aufwand hätte man statt einem Mini-Steg gleich einen ordentlichen bauen können. Die Pflege des Wasserweges könnte besser sein: die Ufer sollten regelmäßig ausgeholzt werden und wenn ein Baum ins Wasser fällt, sollte man, statt eine Boje zu setzten, lieber gleich zur Motorsäge greifen. Die Qualität der VNF-betreuten Wasserwege wird jedenfalls nicht erreicht.

Die Schleusen sind ein Thema für sich. Wir sind nicht das erste Mal unterwegs und haben sicher schon einige hundert Schleusen bewältigt, aber die hier auftretenden Effekte waren für uns völlig neu. Es hängt sicherlich mit der Enge der gesamten Anlagen zusammen, die besondere Strömungsverhältnisse herrufen. Empfehlenswert wäre es sicher, ein schmaleres, wendigeres Boot zu nehmen. Jedenfalls ist es kein Revier für Hausboot-Anfänger !

Die Städte und Dörfer an der Baïse sind reizend, für größere Einkäufe bieten sich nur Nérac und Condom an. Als bestes Restaurant wurde "La Cambuse" in Condom gewählt.

Die Basis in Le Mas d'Agenais ist freundlich und entgegen kommend.

Das Boot war zwar moderner, als unsere geplante Connoisseur "Flying Bridge", aber insgesamt haben wir uns nicht so wohl gefühlt, wie dort. Besonders gefehlt hat uns das von innen begehbare Vordeck, aber auch die Anordnung von Salon und Küche haben uns nicht so gut gefallen, da sie tiefer liegen und man nicht so gut hinaus schauen kann. Auch die Toilettenpumpen mit Zweikreis-Umschalteventil (saugen/pumpen) waren gewöhnungsbedürftig und ein "ewiger Quell der Freude" ! Sehr positiv: die Verhältnisse am unteren Führerstand bei Schlechtwetter.

Das Wetter war, bis auf einen halben Tag Regen, sehr angenehm - nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Nach Abgabe unseres Hausbootes in der Basis "Le Mas d'Agenais" stiegen wir in unser Auto und machten uns auf den Weg zu unserer nächsten Hausbootwoche, die von der Basis "Castelmoron" aus starten sollte. Auf dem Weg dahin fuhren wir wieder durch die Stadt Tonneins, wo wir im dortigen Supermarkt unseren Lebensmittelvorrat für die zweite Woche einkauften.

Und so steht es in unserem 2. Bordbuch:

 

Samstag, 25. September 2004
Gegen 11:00 Uhr kommen wir bei der Connoisseur-Basis in Castelmoron an. Sie liegt etwas abseits des Ortes in einem Ferienzentrum namens "Port Lalande". Der Empfang durch den Basisleiter ist herzlich - unsere Faxgeräte kennen einander ja schon ! Herr Graham spricht perfekt deutsch mit schweizerischem Akzent und wir verstehen uns - nicht nur sprachlich - ausgezeichnet. Zum Thema "Überquerung der Garonne" sagt mir Herr Graham, das diese stundenweise wieder möglich sei - aber das Thema ist für uns gegessen ! Der Betrieb an der Basis ist mäßig, die Saison offensichtlich bereits in den letzten Zügen. Unser Boot, die heißersehnte Flying Bridge 1140, ist bereits vorbereitet und übergabebereit. Also laden wir erst einmal unser Gepäck vom Auto in das Boot um und beginnen mit der Kontrolle des Inventars. Oft schon hat uns eine Kleinigkeit gefehlt, und jetzt kennt jeder in seinem Aufgabenbereich, worauf er schauen muss. Ein zweiter Lappen, ein fehlender Sonnenschirm, ein größerer Tisch am Oberdeck, alles wird kurzfristig von den Basismitarbeitern herbei gezaubert. Die Instruktionsrunde aus dem Hafen hinaus auf den breiten Lot wird zu einer Kleinigkeit und Herr Graham lobt unser eingespieltes Team. Er gibt uns noch eine Warnung vor bösen Buben mit, die angeblich gerne mit Steinen auf die Hausboote werfen, dann setzen wir ihn draußen am Lot, gleich neben der Hafeneinfahrt, an einem breiten Anleger ab.

Wir beschließen dort gleich einmal zu bleiben und einen Mittagsimbiss zu nehmen. Dabei stellt Elisabeth fest, dass ihr ein Schneidbrett fehlt. Auch Franz hat ein gebrochenes Fahrradschloss entdeckt, so dass ich nach 14:00 Uhr (Ende der Mittagspause in der Basis) nochmals reklamieren gehe und auch für Regina ein zweites Bordbuch mitbringe. Dann richten wir uns ein bisschen in den Kabinen ein. Beim Verschieben des Bettes kommt Regina gleich einmal eine Möbelrolle entgegen, wodurch dieses nur mehr auf 3 Beinen steht und entsprechend wackelt. Um nicht schon wieder eine langwierige Reklamation zu starten, versuchen wir uns mit eigenen Werkzeugen, doch dann stecken wir einfach den Handhebel für die Bilgepumpe drunter - der passt auf den Millimeter genau !

Nun sind endlich alle zufrieden und wir legen um 15:00 Uhr ab. Unser erstes Ziel ist es, den Lot abwärts bis zur Mündung in die Garonne zu fahren. Der Lot im Bereich der Basis ist ein riesiger Stausee, da 500 Meter unterhalb von Port Lalande die Wehranlage liegt. Sie ist ziemlich modern und stammt angeblich aus dem Jahre 1999. Die signalgesteuerte Schleuse wird von einem Wärter bedient. Das obere Schleusentor hat nur einen Torflügel, der zur Seite schwenkt. In der Schleuse selbst befinden sich an jeder Seite 3 Schwimmpoller. Man fühlt sich gegenüber der Baïse wie im Siebenten Himmel. Der Schleusenwärter ist sehr freundlich, notiert Anzahl der Bootsbesatzung und Nationalität für die Statistik und übergibt die obligate Stechkarte für die nachfolgenden Selbstbedienungsschleusen. Das Abschleusen geht butterweich vor sich, immerhin sind es 10 Meter, bis wir auf Höhe des Unterwassers sind. Das untere Tor, das erst aus dem Wasser auftaucht, wird im Schneckentempo hydraulisch nach oben gezogen. Ja - und dann sucht man ein Ausfahrtssignal, das es nicht gibt. Aber der Schleusenwärter ruft schon, wenn man nicht los fährt. Nichts ist eben perfekt … !


Vorbei geht's an Castelmoron, mit seinem auffälligen maurischen Schloss (woher auch der Name kommt). Und während wir noch beim Staunen und Fotografieren sind, fliegt schon der erste Stein. Er trifft - aber zum Glück nur das Boot und ich sehe einen Lümmel, der im Schlosspark hinter der Balustrade verschwindet. Na das kann ja heiter werden !

Die Untiefen am Lot sind sehr ordentlich mit Tonnen und Stangen gekennzeichnet und man muss bei der Navigation immer einen Blick in die Karte tun, um zu erkennen, an welchem Ufer die Fahrrinne verläuft. Franz übernimmt diese Aufgabe mit gewohnter Präzision. Wir passieren die Ortschaft Granges-sur-Lot und machen 2 Kilometer weiter am Schwimmponton des dortigen Pflaumenmuseums Halt. Ein wunderbarer Liegeplatz, wo wir gleich über Nacht bleiben wollen. Aber zuerst machen wir einen Besuch im Pflaumenmuseum, das keine 100 Meter vom Ufer entfernt ist. Es handelt sich eigentlich um ein Pflaumenerzeugungs- und Veredelungs-Unternehmen, das nebenher eine mit viel Liebe gestaltete Ausstellung über die früheren bäuerlichen Werkzeuge und Maschinen für die Pflaumenbearbeitung eingerichtet hat. Es gibt schriftliche Unterlagen in deutscher Sprache, anschließend eine Videovorführung über die Produktionsabläufe und dann eine Verkostung. Und dann darf man auch alles einkaufen - Plastikgeld wird akzeptiert.

Abendessen an Bord. Es treten Meutereierscheinungen auf, weil die Getränke warm sind und die beiden Gas-betriebenen Kühlschränke keine Kälte produzieren. Beim genauen Hinsehen in der Dunkelheit der Nacht ist auch kein Kontrollflämmchen zu sehen. Also werken Franz und ich eine halbe Stunde und schaffen schließlich eine Inbetriebnahme der beiden Geräte.

Tagesleistung
Strecke: Castelmoron - Granges-sur-Lot
Fahrkilometer: 5
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 1 Stunde 08 Minuten

 

Sonntag, 26. September 2004
Heute ist es bewölkt bei 12° Morgentemperatur. Wir legen um 09:15 Uhr ab und erreichen um etwa 10:00 Uhr die Stadt Clairac, wo wir Franz auf die Suche nach frischen Baguettes schicken. Es ist Sonntag, aber das ist in Frankreich kein Grund für den Müßiggang der Bäckerzunft. Während dessen füllen wir unseren Wassertank voll und legen 20 Minuten später schon wieder ab. Als nächstes müssen wir die Schleuse von Clairac passieren, aber die ist nicht von 1999, sondern ein älteres Modell. Schon die Zufahrt ist ein Abenteuer, weil sie sich schmal dahin windet und auch noch einen Slalom durch rote und grüne Tonnen erfordert. Die Schleuse selbst ist an eine alte Mühle angebaut, sodass man sich auf der Schleusenmauer nicht ungehindert bewegen kann. Man kann hier nicht mit den eigenen Leinen arbeiten, sondern muss die nehmen, die bereits von der Schleusenmauer herunter hängen. Viel Freude hat meine Leinenmannschaft damit nicht, es sind dicke Taue, mit denen man die Queen Mary hätte festmachen können und die kaum durch unsere Klampen passen. Aber es geht besser, als erwartet. Wir sind durch und fahren weiter nach Aiguillon, das wir gegen 12:00 Uhr erreichen. Aiguillon liegt schon fast an der Mündung des Lot in die Garonne, aber für die Schifffahrt gibt es einen Verbindungskanal, genannt "Canalet". Um diesen zu erreichen, müssen wir die Schleuse "Aiguillon" passieren. Dann aber wird es wieder eng, die Bilder gleichen der Baïse. Durch den engen Kanal fahren wir eine halbe Stunde, dann erreichen wir die Sperrschleuse in den Garonne-Fluss. Eigentlich sollte hier ein Ort namens Nicole sein, aber außer einem Mini-Anleger und einem dahinter liegenden Bahndamm ist nichts zu sehen. Das Dorf wird wohl dahinter liegen. Wir machen hier fest weil Elisabeth und Franz einen Ausflug zum weithin sichtbaren Kreuz am "Pech du Berre" machen wollen, von wo aus man einen herrlichen Rundblick über Lot und Garonne haben soll. Während dessen möchte ich mir anschauen, wie die Überquerung des Garonne-Flusses wohl vor sich gegangen wäre. Aber ich bekomme sogar eine praktische Demonstration geboten: zuerst kommt eine andere Flying Bridge, die vor der Schleuse wartet, dann kommt ein Kleinbus, dem 2 Schleusenwärter entsteigen und die Sperrschleuse bereit machen. Einer der beiden übernimmt das Steuer des Hausbootes, dessen Besatzung muss aussteigen. Der Schleusenwärter beherrscht zwar das Boot nicht, schafft es aber doch im dritten Anlauf in die Schleuse einzufahren. Die Schleusung wird vorgenommen, ein Schleusentor klemmt, man muss per Hand eingreifen.

Während dessen kommt die Garonne abwärts ein eiserner Schubkahn mit Außenbordmotor gefahren - 2 Mann Besatzung mit Schwimmweste. Sowie das Hausboot in der Garonne schwimmt, wendet es stromaufwärts und fährt mit eigener Kraft zwischen den Markierungstonnen dahin. Die Schubboot-Leute schwätzen noch mit ein paar Fischern, dann geben sie Gas, holen das Hausboot ein und folgen ihm knapp oder schieben es von hinten an. So genau kann ich das nicht mehr sehen. Ja, und die Hausbootbesatzung wird in den Kleinbus verfrachtet und nach Saint-Léger gebracht, wo sie ihr Boot wieder übernehmen können. Also so hätte mir die Garonne-Querung auch keinen Spaß gemacht ! Um 14:00 Uhr sind Elisabeth und Franz von ihrem Ausflug wieder zurück. Wir nehmen einen kleinen Imbiss, dann legen wir wieder ab um nach Aiguillon zurück zu fahren. Wir passieren wieder die Schleuse und machen oberhalb am offiziellen Anleger der Stadt für die Nacht fest. Nach einem kleinen Stadtrundgang kehren wir wieder an Bord zurück, um unser Boot auf den Namen "Brigittenau 2" zu taufen. Das Taufkind hat zwar schon seine ersten Krabbelversuche hinter sich, aber den Sekt lassen wir uns nicht entgehen. Nach dem Abendessen findet noch ein "Activity"-Spielchen statt, bei dem wir uns köstlich unterhalten.

Tagesleistung
Strecke: Granges-sur-Lot - Nicole - Aiguillon
Fahrkilometer: 22
Schleusenkammern: 3
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 25 Minuten

 

Montag, 27. September 2004
In der Nacht hat es leicht geregnet. Jetzt hat es 15° Morgentemperatur, und es herrscht dichter Nebel. Es ist seltsam ruhig geworden: die Stromturbine läuft nicht mehr und über das Wehr fließt wenig Wasser. Bei genauerem Hinsehen ist der Wasserstand zum Vortag um etwa 20 cm gesunken. Glücklicherweise hatten unsere Leinen genügend Spielraum. Das müssen wir jetzt immer genau beachten ! Als sich der Nebel langsam lichtet, brechen wir gegen 09:45 Uhr auf und fahren stromaufwärts Richtung Clairac. Die hängenden Seile in der dortigen Schleuse sind beim aufwärts Schleusen noch unangenehmer, weil sie noch dazu glitschig und mit allerlei Flussablagerungen überzogen sind. Der Nebel hat sich verzogen und es ist warm und sonnig geworden. Wir legen um 11:15 Uhr am wunderschönen Kai von Clairac an und starten sofort eine Einkaufstour, weil am Montagnachmittag die meisten Geschäfte schließen. Auf der Suche nach einem Supermarkt werden wir über die Brücke in den Nachbarort Longeville verwiesen, wo wir alles finden, was unser Herz begehrt. Nach einem Mittagsimbiss starten wir um 13:30 zu einem Stadtgang, wobei wir natürlich besonders die drei bekannten Museen von Clairac, das Automatenkloster, das Eisenbahnmuseum und den Zauberwald besuchen wollen. Die nette Dame im Touristenbüro übergibt mir einen Stadtplan und erklärt, wo die Museen zu finden sind. Beim Automatenkloster angekommen, prangt an der geschlossenen Tür ein Zettel mit dem Hinweis, dass - beginnend mit heutigem Tag - das Museum an allen Montagen geschlossen sei. Und bei allen anderen Museen gilt der Hinweis: Billets nur im Automatenkloster. Also außer Spesen nichts gewesen ? Nein ! Wir beschließen morgen früh die Museen zu besichtigen und dann erst weiter zu fahren. In diesem kleinen Ort stolpert man immer wieder über die Touristeninformation und ich kann nicht umhin, meinem Unmut Luft zu machen. Sie bedauert heftig und erklärt mir, dass Dienstag um 10:00 die Museen geöffnet werden. Nun schauen wir uns noch nach einem Restaurant für den Abend um und entdecken gleich neben dem Parkplatz für das Automatenkloster ein seltsames Restaurant, das eigentlich aussieht, als ob eine Autogarage umgebaut worden wäre. Neugierig schaue ich hinein - es sieht innen ganz urig aus und die Speisekarte ist auch ganz nett: eine Mischung aus Crèperie und Restaurant. Während wir noch interessiert herum schauen, kommt schon der Chef heraus und fragt, ob er helfen kann. Da das Lokal ohnehin ganztägig geöffnet ist und Franzi als bekannter Früh-Esser in Frankreich sonst sowieso kein Leiberl hat, bestellen wir einen Tisch für 19:00 Uhr. Den Nachmittag über halten wir Siesta, dann erscheinen wir pünktlich im Restaurant "Aux Pays des Merveilles", Le Bourg, wo wir in einem originellen Ambiente und angenehmer Atmosphäre ganz vorzüglich speisen.

Tagesleistung
Strecke: Aiguillon - Clairac
Fahrkilometer: 7
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 1 Stunde 30 Minuten

 

Dienstag, 28. September 2004
Der heutige Morgen bringt uns bei 11° wieder einmal Nebel und zwar so dicht, dass man oft nicht einmal die Brücke sieht, vor der wir liegen. Da wir heute Vormittag ohnehin Museumsbesuch angesagt haben, können wir in Ruhe zuwarten, dass sich der Nebel lichtet. Wasser haben wir schon am Vorabend gebunkert und so sehen wir zu, dass wir um 10:00 vor dem Museumstor stehen. Das tun wir auch, aber selbst nach Zugabe von ein paar Minuten öffnet sich das Eingangstor nicht. Und der dämliche Zettel hängt immer noch dort: " … Montag und Dienstag geschlossen !" Verflixt, in meinem Ärger, dass gestern (Montag) geschlossen war, habe ich gar nicht mehr weiter gelesen, dass auch heute (Dienstag) geschlossen ist. Eine Blamage ! Aber ich kenne da jemanden, an dem man sich abreagieren kann: wir besuchen die Touristeninformation, wo uns die freundliche Dame versichert, dass heute selbstverständlich geöffnet ist - nur Montag, da sei geschlossen. Als ich ihr auf meiner Digitalkamera den fotografierten Zettel zeige, ist sie sehr zerknirscht. Aber das hilft uns auch nicht weiter, wir kehren zum Boot zurück und legen gegen 10:40 Uhr ab, da sich der Nebel langsam aufzulösen beginnt. Wir fahren durch hartnäckige Nebelschwaden zurück nach Castelmoron, passieren wieder die 10 Meter-Schleuse. Gegen 13:00 Uhr legen wir vor der Basis in Lalande an und nehmen unseren Mittagsimbiss an Deck, da endlich die Sonne herausgekommen ist. Kurz vor 14:00 Uhr geht's wieder weiter und wir fahren den Lot aufwärts, der hier sehr breit ist und kaum ein Gefälle aufweist. Immer wieder fahren wir durch Wassersportzonen, an den Ufern jede Menge Bootshäuser mit Kanus, Segelbooten und sonstige Wassersportgeräten. Aber alles menschenleer, die Saison ist schon vorbei, nur mitunter treffen wir Schulklassen, die offensichtlich ihren Turnunterricht auf dem Wasser zubringen. Um 14:30 Uhr machen wir eine Stipp-Visite im Dorf Fongrave, in dessen Kirche ein wunderschöner Holzaltar zu bewundern ist. Um 16:15 Uhr landen wir in Casseneuil, wo wir die Nacht verbringen wollen. Der Ort entstand auf einer Halbinsel zwischen dem Lot und dem kleinen Nebenfluss "Lède". Elisabeth, die für das Kulturprogramm zuständig ist, führt uns bei jedem Stadtgang entlang eines Besichtigungsweges durch die jeweiligen Ortschaften. Die Informationen stammen aus einem Handbuch, das uns vom Bootsvermieter zur Verfügung gestellt wurde. Hier in Casseneuil verläuft dieser Weg zwischen dem Lède-Ufer und dem Zaun des Schulsportplatzes als Trampelpfad durch Brennnessel und im Kriechgang unter einer Brücke hindurch. Schwere Zeiten für Regina, die sich für den Stadtgang schick angezogen hat - aber wir sehen hautnah, warum diese Stadt manchmal mit Venedig verglichen wird. Am Rückweg stolpern wir über einen Fleischhauer, der über eine nette Auswahl verfügt und wir beschließen einen außerordentlichen Einkauf. Die Konversation mit dem Fleischer ist schwierig, denn wer weiß schon, wie ein "ausgelöster Schopfbraten" auf Französisch heißt. Aber er gibt sich bereitwillig, und als wir auch noch Pastete und andere Leckereien kaufen, legt er als Draufgabe noch 20 cm Blutwurst dazu. Also Freunde: sollte wer von Euch dort einmal einkaufen, immer auf eine Draufgabe bestehen ! Ihr könnt Euch auf uns berufen …
Essen an Bord. Abends wird eine Partie UNO gespielt.

Tagesleistung
Strecke: Clairac - Casseneuil
Fahrkilometer: 29
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 4 Stunden 40 Minuten

 

Mittwoch, 29. September 2004
Auch heute wieder dichter Morgennebel bei 12 °. Da wir ohnehin zuwarten müssen, erhält Elisabeth einen Sonderurlaub zum Besuch des Marktes in Casseneuil, der heute stattfindet. Wir füllen unseren Wasservorrat auf und schauen einer Schulklasse zu, die vor unserer Nase in Kajaks verfrachtet wird und unter aufgeregtem Geschnatter die Lède aufwärts paddelt. Der Lehrer folgt im Schlauchboot mit Außenborder. Wir legen um 10:15 Uhr ab und fahren weiter den Lot aufwärts. Die Passage durch die alte Schleuse bei Flusskilometer 48 schaut beim Näherkommen etwas seltsam aus, da mitten in der markierten Fahrrinne einige Felsen zu sehen sind, auf denen Reiher und Möwen herumturnen. Erst viel später erkennt man, dass die Fahrrinne fast quer zum Ufer verläuft und man einem perspektivischen Irrtum aufgesessen ist. Um 11:40 Uhr passieren wir die Stadt Villeneuve-sur-Lot, deren Besichtigung wir aber erst bei der Rückfahrt vorgesehen haben. Gleich nach der Stadtdurchfahrt geht es nur mit Vorsicht weiter: eine alte Schleuse, Untiefen, sowie ins Wasser gestürzte Bäume lassen nur langsame Fahrt voraus zu. Und dann steht man plötzlich vor dem Wehr von Villeneuve und sucht die Schleuseneinfahrt. Ein Richtungspfeil lädt uns ein, auf das linke Wehrtor zuzufahren, aber das wird doch hoffentlich nicht die Schleuse sein ! Beim Näherkommen löst sich das Rätsel: knapp vor Erreichen der Wehr zweigt links die in Beton gefasste Zufahrt zur Schleuse ab - aber leicht zu erkennen ist das nicht. Die Schleuse "Villeneuve" ist, wie die von Castelmoron, modern und komfortabel zu passieren. Sie hat sogar eine Hubhöhe von 13 Metern. Bemerkenswert ist, dass wir über Anweisung des Schleusenwärters das Boot an den Schwimmpollern festmachen müssen, nicht nur auf Slip halten. Na, er wird schon wissen, was er tut. Oberhalb der Schleuse ist der Lot wieder unendlich breit und an den Ufergrundstücken reiht sich eine Traum-Villa an die andere. Die Sonne ist heraus gekommen und es ist sehr warm geworden. Gegen 13:15 Uhr machen wir in Saint-Sylvestre-sur-Lot fest. Elisabeth, Franz und ich wollen das Städtchen Penne d'Agenais besuchen, das auf einem Hügel über dem Lot liegt. Zuerst geht's über die Brücke nach Port de Penne, dann eine halbe Stunde schwitzend bergauf. Aber es zahlt sich aus: die mittelalterliche Stadt, die sich an den Berghang schmiegt, ist vollständig erhalten bzw. wunderbar restauriert. Ganz oben am Berg liegt die Wallfahrtskirche "Notre Dame de Peyragude", von der man einen faszinierenden Rundblick über das Lot-Tal hat. Zurück im Tal machen wir mit Regina noch einen kleinen Bummel durch Saint-Sylvestre, aber außer einem Supermarkt gleich am Hafen und einem Schlosshotel mit 4 Sternen gibt's es nicht viel zu sehen. Abends kocht uns Elisabeth ihre wunderbaren Grillkotletts auf dem nagelneuen Herd der Flying Bridge. Einer unsere beiden Kühlschränke gibt des Geist auf und lässt sich trotz aller Bemühungen nicht wieder starten. Wir beschließen aber keine Schadenmeldung zu machen, da wir ohnehin schon beim Leeren unserer Vorräte sind und mit einem Kühlschrank das Auslangen finden. Anschließend wieder eine Partie UNO.

Tagesleistung
Strecke: Casseneuil - St.-Sylvestre-sur-Lot
Fahrkilometer: 20
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 04 Minuten

 

Donnerstag, 30. September 2004
Heute Morgen ist es heiter bei 10° Außentemperatur. Die wenigen Nebelschwaden lösen sich bald auf und wir können schon um 09:00 ablegen. Oberhalb von Saint-Sylvestre wird die Flusslandschaft wieder natürlicher, Felsen säumen das Ufer. Gegen 10:15 Uhr erreichen wir Lustrac, wo der befahrbare Teil des unteren Lots endet. Wir machen an dem kleinen Anleger fest und ziehen eine Runde durch das kleine Dörfchen. Es besteht eigentlich nur aus einem Wehr, einer ehemaligen Schleuse, neben der sich eine alte Mühle befindet und einem Schloss mit ein paar Nebengebäuden. Aber es ist sehr reizvoll und landschaftlich wunderbar eingebettet. Wir nehmen am Vordeck, wo wir das alles überblicken können, einen kleinen Imbiss. Dann starten wir um 12:00 wieder, diesmal den Lot abwärts. Nach Passieren der Schleuse fahren wir gegen 14:40 in die Stadt Villeneuve-sur-Lot ein. Der Uferbereich ist von hohen Kaimauern geprägt und wir versuchen einen Platz zu finden, wo wir möglichst schwer von steinwerfenden Fratzen erreicht werden können, aber so einfach ist das hier nicht. Schließlich liegen wir direkt neben der Open-Air-Bühne der Stadt, über uns erstrecken sich die zugehörigen Sitzreihen des Amphitheaters.
Unter Elisabeths sachkundiger Führung machen wir einen Rundgang durch die Stadt. Sie ist ziemlich groß, hat eine schöne Fußgängerzone mit wunderbaren Geschäften. Die Kirche Sainte-Cathérine ist kaum 100 Jahre alt, aber durch ihren eigenwilligen, alles überragenden Turm eine dominante Erscheinung. Auf der anderen Seite des tief eingeschnittenen Lot, die man über eine alte, sehenswerte Brücke erreicht, finden wir mitten in der Stadt ein staatliches Pferdegestüt ("Les Haras Nationaux"), das vollkommen frei zugänglich ist. Der versprochene Markt findet nicht statt, so nehmen wir in einer Bar am Marktplatz eine kleine Erfrischung zu uns, dann suchen wir nach einem Restaurant für den Abend. Die meisten sind uns eine Spur zu elegant und so entscheiden wir uns für die Pizzeria "L'Intermezzo", Rue Parmentier 18. Bei unserer Ankunft um 19:20 ist der Koch zwar noch selbst beim Essen, aber eine Stunde später ist das Lokal bis auf den letzten Platz besetzt.
Regina macht die Mücke, der Rest der Mannschaft besteht auf einer Abschiedspartie UNO.

Tagesleistung
Strecke: St.-Sylvestre-sur-Lot - Lustrac - Villeneuve-sur-Lot
Fahrkilometer: 27
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 54 Minuten

 

Freitag, 1. Oktober 2004
Als wir am Morgen die Vorhänge öffnen, sehen wir uns von Fischern umzingelt, die die Open-Air-Bühne, die in den Fluss hineinragt, als Fischersteg missbrauchen. Es ist bewölkt bei 18°. Regina begleitet Franz bei seinem Bäckereibesuch, aber das hätte sie lieber bleiben lassen sollen, da sie keine Übung in dieser Kunst hat und daher alles durcheinander bringt. Nach einer Vorwarnung an die Fischer werden die Köderfische und -würmer in Ausgangsposition gebracht, dann können wir um 09:05 ablegen. In Campagnac machen wir eine Stippvisite, aber die Kirche ist leider geschlossen und die die angepriesene Gourmand-Farm zu weit entfernt. Knapp vor Casseneuil sieht Franz im Vorbeifahren eine Schildkröte, die auf einem im Wasser liegenden Baumstamm in der Sonne sitzt. Da alle nach einem Foto-Shooting verlangen, mache ich eine Ehrenrunde, und wir pirschen uns nochmals an. Es ist eine etwa 20 bis 25 cm lange Wasserschildkröte, die ganz ruhig sitzen bleibt und uns mit erhobenem Kopf ansieht.
Da Elisabeth immer noch von der versäumten Gourmand-Farm träumt, machen wir um 11:30 am wunderschönen Anleger von "Hauterive" fest, wo es ebenfalls eine solche Farm geben soll. Die Mannschaft rückt ab, ich nehme ein Buch zur Hand und setze mich in die Sonne an Deck. Am Nebensteg fischen schweigend 2 Opas - eine Idylle !

Die Mannschaft kehrt unverrichteter Dinge wieder zurück. Der Ort ist ausgestorben, wie ein Westerndorf. Wir nehmen einen Mittagsimbiss, gegen 13:00 Uhr legen wir ab. Unser nächstes Ziel ist "Le-Temple-sur-Lot". Kurz vor Erreichen des Ortes fallen plötzlich alle Anzeigen aus und die Ladekontrolllampe leuchtet auf. Ich rette mich noch an den Anleger und stelle den Motor ab, was auch nur mehr vom unteren Führerstand aus geht. Nach einem neuerlichen Startversuch ist wieder alles in Ordnung. Wir gehen vom Anleger durch ein riesiges Sportzentrum in den Ort, wo die ehemalige "Commanderie" des Tempelritter-Ordens steht. Ein sehr schöner Burg-artiger Bau, in dem jetzt ein Restaurant eingezogen ist. Als weiter Attraktion dieses Ortes wird eine Seerosenzucht angepriesen, die man durch eine schöne Parkanlage erreichen kann. Aber seit 1. Oktober (heute) ist die Seerosenausstellung gesperrt - Saisonschluss !

Schon etwas frustriert treten wir die letzte Etappe an. Wir tanken nochmals Wasser für den Abschiedsplantsch und landen um 16:20 wieder im Hafen Lalande. Auch dort ist alles ausgestorben. Nach einigem Suchen finde ich dann einen Mitarbeiter, der mir den Parkplatz öffnet. Wir haben nämlich vor, uns noch die Stadt Castelmoron anzuschauen und wollen uns den Fußweg in die Stadt sparen. Nach einem Stadtrundgang, bei dem uns besonders das Schloss im maurischen Baustil beeindruckt, kehren wir an Bord zurück, wo Reste essen und "Koffer" packen angesagt ist.

Tagesleistung
Strecke: Villeneuve-sur-Lot - Castelmoron
Fahrkilometer: 26
Schleusenkammern: 0
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 29 Minuten


Hier enden die Eintragungen unseres Bordbuches ....
Die Rückgabe am nächsten Morgen geht problemlos vor sich. Die aufgetretenen technischen Probleme habe ich Herrn Graham besprochen.

 

Zeit für ein Kurzresümee der 2. Woche:

Fahrstrecke: 136 km mit 8 Schleusenkammern, reine Fahrzeit 20 Stunden

Der Lot ist als Kontrastprogramm zur Baïse natürlich nicht so naturnahe und reizvoll. Besonders die Stauhaltungen der neuen, hohen Wehranlagen führen zur breiten Stauseen, die für den Hausbootfan nicht wirklich interessant sind. Es ist alles auf die Wassersportler ausgerichtet, Hausboote sind noch nicht richtig akzeptiert (siehe Steinwerfer). Unterhalb der großen Wehre und bei Lustrac ist der Lot noch in seiner natürlichen Erscheinung zu sehen.

Die Infrastruktur, wie Anlegestellen etc. ist ziemlich neu, abgesehen von den größeren Städten aber höchstens auf 2 Boot ausgerichtet. Die Pflege des Wasserweges ist sehr gut, ebenso die Beschilderung und Kennzeichnung der Fahrrinne.

Die wenigen Schleusen sind an einer Hand aufzuzählen, die neuen, großen bieten viel Komfort, jene unterhalb von Castelmoron sind Standard. Das Sprichwort "Schleusen sind das Salz in der Suppe der Hausbootfahrer" hat ganz Recht und wenn wir in der 1. Woche unseres Hausbooturlaubs nicht eine Überdosis davon bekommen hätten, wären hier Entzugserscheinungen aufgetreten.

Die Städte und Dörfer am Lot sind sehr nett, als besonders negativ haben wir aber empfunden, dass ab Ende September viele Attraktionen bereits gesperrt sind oder stark eingeschränkten Betrieb haben. Als bestes Restaurant wurde "Aux Pays des Merveilles" in Clairac gewählt.

Die Basis in Castelmoron, besonders der Basisleiter, Herr Graham, ist besonders freundlich und gesprächsbereit. Die Hausbootsaison war offensichtlich auch schon zu Ende, uns sind in der ganzen Woche gezählte 5 Hausboote begegnet.

Das Boot, unsere geliebte "Flying Bridge", hat uns - wie immer - ausgezeichnet gefallen. Was uns ein wenig traurig stimmt, ist die Tatsache, dass sie halt schon ein wenig "in die Jahre" gekommen ist und immer wieder kleinere technische Mängel auftreten. Positiv vermerkt wurde, dass das Boot mit einem nagelneuen Herd ausgestattet war. Bei den Kühlschränken sollte man sich auch etwas einfallen lassen, die pfeifen schon aus dem letzten Loch !

Das Wetter war wunderbar, die wenigen Nebeltage ein Herbstphänomen, mit dem man leben muss.


Gesamtleistung
Urlaubsdauer an Bord 14 Tage

Bootskilometer 290
Schleusenkammern 56

Wolfgang Bauer, Wien


 

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