Hausboote mieten bei Hausboot Böckl - Ihr Spezialist für Hausboot-Reisen in Europa!

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Reiseberichte von Hausboot-Urlaubern

 

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Zwischen Graureihern,
Bussarden und Bisamratten
unterwegs mit dem Hausboot
am Loire-Seitenkanal

 

Loire-Seitenkanal und Nivernais:
Gannay – Châtillon-en-Bazois und retour
11 Tage im Mai



Manches mal schlummern Wünsche im Unterbewusstsein, die erst durch einen äußeren Anstoß geweckt werden. So ging es meiner Frau und mir, als Tochter und Schwiegersohn fragten: "Wollt ihr im heurigen Frühling mit uns Urlaub auf einem Hausboot machen?" Man erinnert sich, von solchen Hausboot-Fahrten schon gelesen zu haben, dass man "so etwas immer schon machen wollte", und sagt spontan zu.

Mit Prospekten von Hausbooten als erste Grundlage werden Pläne geschmiedet. Wie lange soll die Hausboot-Fahrt dauern? Eine Woche? Sehr kurz. Ehe man sein Boot richtig kennt, steigt man schon wieder aus. Zwei Wochen? Wenn der Hausboot-Urlaub aber ein Flop sein sollte, wäre man vierzehn Tage an so eine Dschunke gebunden. Wie immer im Leben ist die Mitte des Angebotes zum Ausprobieren zu empfehlen. Also zehn Tage. Wohin? Ein anderes Land als Frankreich kam für die ersten Hausboot-Fahrer der Familie nicht in Frage (ich möchte gerne wissen, wann Essen und Trinken die Entscheidungen eines Österreichers nicht mitbestimmen). Unabhängig voneinander reihten die künftigen Urlauber ihre beliebtesten Wasserwege. Der Canal du Nivernais zwischen Gannay und Auxerre (oder umgekehrt) wurde Sieger, der Buchung bei "Hausboot Böckl" stand nichts mehr im Weg. Schwiegersohn Erich wurde als erwählter Kapitän von "Hausboot Böckl" mit allen Unterlagen versorgt. Die "Handbücher" erwiesen sich als korrekt, in Verbindung mit den mündlichen und schriftlichen Unterlagen aus der Haizingergasse*) als so vollständig, dass dem kaum noch etwas beizufügen wäre. Um jedoch den Leser zu ermuntern, den Bericht bis zum Ende zu lesen, möchte ich darin noch einige nützliche Tipps einflechten.

Wenige Tage vor dem Antritt der Hausboot-Fahrt wurde uns Gannay-sur-Loire als Ausgangspunkt genannt. Die Anreise aus Wien teilten wir durch einen Besuch von Freunden in Karlsruhe in zwei Teilstrecken, die leicht zu bewältigen waren. Die "Jungen" kamen aus der Nähe von Paris, sie hatten eine Schulfreundin (der Tochter) besucht und waren wegen der kürzeren Anreise früher als wir "Alten" in Gannay. Ich hatte den Zeitbedarf für die Strecke Karlsruhe-Gannay unterschätzt; wir kamen erst knapp vor 16 Uhr des 3. Mai zum Connoisseur-Stützpunkt. Das Hausboot war schon übernommen; wir luden das Gepäck um, kurze Unterweisung durch Nigel, den Stützpunktleiter – und dann ging es zur ersten Alleinfahrt auf dem Loire-Seitenkanal nach Norden, Richtung Decize. Die erste Nacht verbrachten wir fern von jeder Siedlung an einer uns zusagenden Anlegestelle am Kanalufer. Die oft genannten "Eisennägel" wurden zum Vertäuen des Hausbootes eingeschlagen, ein zünftiger Palstek geknotet, das Abendessen aus vorhandenen Beständen bereitet und die schier unglaubliche Stille genossen. Schon die ersten Stunden unserer Hausboot-Fahrt hatten uns gelehrt, dass die reiche Fauna und Flora an den Ufern der Kanäle die Mitnahme von Ferngläsern und – für die Bilddokumentation – von Teleobjektiven der längsten Brennweiten gebietet.

Am Loire-Seitenkanal fielen die Graureiher auf, am Canal du Nivernais überwogen Greifvögel, vor allem Weihen und Bussarde. Die sonst so scheuen Eichelhäher ließen das Boot ganz nahe kommen, ehe sie aufflogen. Im Kanal selbst leben nach unseren Beobachtungen überwiegend Karpfenfische (Cyprinidae). Durch die vielen Fischer scheinen die Gewässer überfischt zu sein. Die Angler geben sich schon mit einem spannenlangen Fisch zufrieden. Als zoologische Besonderheit konnten wir einmal eine Bisamratte beobachten. Von den Pflanzen fallen nur wenige auf; sie wirken in ihrer Gesamtheit als Begleitung des Wasserlaufes, manches mal als Pappel- oder Platanenalleen. Eichen treten häufig auf, Birken so selten, dass auf der ganzen Fahrt kaum ein Dutzend zu zählen waren. In der ersten Maihälfte blühten Sumpfschwertlilien, Robinien, Ölweiden und auf den Feldern Raps. Sie steigerten mit Farbe und Duft die Fülle des Erlebten.

Eine weitere Erfahrung: Das Vergnügen der Hausbootfahrt wird verdoppelt, wenn man mindestens einmal am Tag in einen nahe gelegenen Ort Essen geht; manches mal findet man sogar unmittelbar am Kanalufer ein Restaurant (darüber geben die von "Hausboot Böckl" überreichten Karten der Wasserwege Auskunft). Unser Frühstück hatten wir immer an Bord zubereitet, hiefür aus der nächsten Bäckerei Weißbrot und Croissants vom "Kapitän" holen lassen, denn er sprach als einziger wirklich Französisch. Vor allem für den Einkauf bewährten sich die Bordfahrräder.

Am nächsten Morgen, so früh eben die Schleusen aufmachen, bis Decize. Die Anlegestelle liegt nicht allzu fern vom Stadtzentrum und bietet die Möglichkeit, den Frischwasser-Vorrat zu ergänzen. Nützen Sie diese Wasser-Tankstellen, und wäre es auch jeden Tag. Auf diese Art sind wir nie ohne Wasser gewesen. Sollte Ihnen das Wasser aus der öffentlichen Versorgung für die Bereitung von Tee, Kaffee und Speisen nicht zusagen, dann besorgen Sie sich Quellwasser in Plastikflaschen im Supermarkt.

In Decize liegt dieser in Sichtweite der Anlegestelle. Sein Angebot haben wir durch einen Einkauf auf dem Markt im Stadtzentrum ergänzt: Brot, Käse, Wurst und Obst. Versäumen Sie in Frankreich nicht, möglichst viele Käsesorten durchzuprobieren; sie werden zu erstaunlich günstigen Preisen angeboten. Geld? Decize hat etliche Banken; in wenigstens einer wird bestimmt die Kreditkarte angenommen, die Sie besitzen. Noch am Vormittag legten wir ab. Trotz des im Detail heraus gezeichneten Kartenbildes von Décize nahm der Kapitän die erste statt der zweiten Einfahrt Steuerbord und lief auf Grund. Unsere geringe Geschwindigkeit ließ uns nicht hoffnungslos festfahren, durch Anschieben mit Bootshaken und Quast - sie reichten zum Glück bis zum Grund der Loire - kamen wir wieder frei. Der Canal du Nivernais bot verschiedene Überraschungen. Die Treidelwege engten unter den Brücken die Kanalbreite so ein, dass wir stets die Fahrt stark zurücknehmen mussten, um, besonders sorgfältig steuernd, ohne anzuecken durchzukommen. Auf der Wasseroberfläche dieses Kanals trieben viel mehr Blätter und Grashalme als auf dem Loire-Seitenkanal. Als Folge davon war am zweiten Fahrtag der Kühlwasser-Zulauf verstopft, die rote Warnleuchte signalisierte "Motor zu warm". Heimtückischerweise war nicht das Sieb der Kühlwasser-Einnahme verlegt, sondern die eineinhalbzöllige Zuleitung vor dem Sieb. Mit dem Stoppelzieher (!) (bei den Küchengeräten) und dem gerade gestreckten Drahtseil der Fahrrad-Absperrung gelang es, den Blätterpropfen aus dem Zuleitungsschlauch zu entfernen. Ab diesem Zeitpunkt keine Kühlwasserprobleme mehr gehabt.

Es würde ermüden, von den mehr als hundert Schleusen zu berichten, die wir in zehn Tagen durchfuhren. Jedenfalls stimmt es, dass man an manchen Schleusen Wein und andere Erzeugnisse Burgunds erwerben kann. Ab nun also nur mehr Berichte von nicht Alltäglichem. Auf dem Canal du Nivernais begegneten wir einem Hausboot, das am Heck eine tischtuchgroße rot-weiß-rote Flagge führte. Auf den Zuruf: "Na, ihr Hübschen, wo kommt denn ihr her?" großer Jubel auf dem Gegenläufer: "Endlich wieder Menschen, mit denen man reden kann!" Sie dürften kein Crew-Mitglied gehabt haben, das Französisch sprach. Wenigstens einer sollte es können; für Einkauf, Bestellung im Restaurant und für die Unterhaltung mit den Schleusenwärtern. Besonders durch den Kanal-Tratsch kann man so viel erfahren!
So hörten wir von einer Schleusenwärterin, burgundisches Original, dass die Connoisseur-Boote die besten auf den Kanälen seien. "Die Boote von denen", sie deutete mit dem Daumen auf eine Bootsbasis nahe ihrer Schleuse, "die gehen manchmal sogar unter." Die Show, die sie abzog, war bühnenreif. Ein Alter hinter ihrem Rücken bohrte unmissverständlich mit seinem Zeigefinger an die Schläfe. War er ihr "Alter"? Jedenfalls luden wir die beiden – so im Vorüberschiffen – zu einem Glas Rotwein ein, das dankbar angenommen und auf unser Wohl geleert wurde. Zum Abschied zeigte uns die Schleusenwärterin noch eine riesige, bronzene Plakette. Vom burgundischen Fremdenverkehrsverband war sie 1989 zur freundlichsten Schleusenwärterin Burgunds erwählt worden. Nach diesem Gespräch sahen wir unser Boot und die anderen kritischer an, und wie es sich später herausstellte, übertreffen Bootsmaterial und Betreuung bei "Connoisseur" alle anderen Anbieter.

In Châtillon-en-Bazois machten wir am Liegeplatz am Fuß des Burgberges fest. Zum ersten Mal sahen wir hier eine Péniche. Sie ist als Restaurant-Schiff eingerichtet und hat ihren Heimathafen in Châtillon-en-Bazois. Der erste Eindruck: So groß, dass man sie vielleicht in Teilen hierher brachte und hier zusammensetzte? Und dann die Bedenken: Sollte sie wirklich den Kanal befahren, was macht man bei einer Begegnung? Sie fährt wirklich auf dem engen Canal du Nivernais! In den Schleusen zu Mauern und Schleusentoren kaum eine Handbreit Abstand. Noch nie zuvor gesehen: Diese Péniche hatte zur Erhöhung ihrer Manövrierfähigkeit ein zusätzliches Bugruder, das mit langen Leinen gleich Zügeln über die ganze Länge des Schiffes hinweg vom Rudergänger im Heck bedient wird. Die Péniche lief am nächsten Morgen vor uns nach Baye. Hier erlebten wir die große Überraschung. Es war schon befremdlich, dass der Wasserstand bergwärts der Schleuse, an der wir übernachten wollten, ungewöhnlich nieder war. Hofften wir zunächst, dass der Kanal bis zum nächsten Morgen vollaufen werde, so verdichtete sich mit der Zeit immer mehr das Gerücht, dass der Wasserzulauf zum Scheitel der Schleusentreppe durch den Einsturz einer Mauer unterbrochen sei, und der Kanal für unbestimmte Zeit nicht befahrbar sein werde.

Ein Anruf im Flottenstützpunkt Auxerre ergab: Ziehen Erkundigungen ein, unseren Rückruf um 11 Uhr in der Telefonzelle erwarten. Auxerre gab exakt Auskunft: Dauer der Reparatur nicht vorhersehbar, rasche Rückkehr nach Gannay, ehe möglicherweise der Wasserspiegel im Kanal zwischen Baye und Châtillon-en-Bazois sinkt und auch dieser Abschnitt nicht mehr befahrbar ist. Talwärts der Schleuse 15 wären wir in Sicherheit. Kein anderer Bootsverleih verständigte seine Besatzungen, alle richteten sich nun nach "Connoisseur" (und uns). So kamen wir zu der vorübergehenden Ehre, Flotillen-Führerboot zu werden. Die Fahrt glich beinahe einer Flucht. Wenn es mit einem bisserl "Zusammenrücken" ging, wurden auch drei statt der üblichen zwei Boote in eine Schleusenkammer gepackt, um den Kanal zu evakuieren. Nach der besagten Schleuse 15 waren wir, so paradox es klingen mag, auf dem Wasser aus dem Wasser.

Sagte schon meine Großmutter: Nie ein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen dabei ist. Der Sorge, wie wir unsere Fahrzeuge von Gannay nach Auxerre bringen sollten, waren wir nun enthoben. In Gannay machten wir einen kurzen Zwischenhalt. Mit dem Staubsauger des Stützpunktes machten wir "Reinschiff", denn "flûtes" und "croissants" bröseln so sehr. Von Nigel wurden wir mit Informationen für den Loire-Seitenkanal südlich von Gannay ausgestattet und schon am nächsten Morgen ging es neuerlich auf Fahrt. In einer Ziegenfarm nahe dem Stützpunkt, auf die uns Nigel aufmerksam gemacht hatte, versorgten wir uns reichlich mit Ziegenkäse und Honig. Hier kehrten wir auch auf der Rückfahrt noch einmal ein, um ungewöhnliche Reisemitbringsel für die Daheimgebliebenen einzukaufen.

Die noch verfügbare Zeit reichte, um bis Digoin und zurück zu fahren. Der Charakter des Loire-Seitenkanals ist ganz verschieden von dem des Canal du Nivernais. Breiter, offener, heller und nicht so viele "Blattln"; maschinenpersonalfreundlich. Die Brückendurchfahrten konnten mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 8 km/h durchfahren werden, und selbst die Begegnung mit einer Péniche war wegen der Breite des Kanals nicht so aufregend, wie es im Nivernais gewesen wäre. In Digoin wird der Kanal auf einer Brücke über die Loire geführt. Sie ist vielleicht nicht so schön wie das Aquädukt von Briare, immer aber wert, dass ein Besatzungsmitglied voraus läuft und vom erhöhten Kanalufer ein Erinnerungsbild von Brücke und Boot macht. Digoin liegt an zwei Wasserwegen mit verschiedenem Niveau: an der Loire zu ebener Erd' und am Kanal im ersten Stock. Allerdings ist die Loire sehr seicht und mit kaum mehr als einem Paddelboot befahrbar. Den Stadtbummel krönten wir diesmal mit exquisiten "crêpes". Die Umkehr in Digoin ließ uns schon ans Abschiednehmen von unserem Boot denken. Nur mehr eineinhalb Tage! Am Vormittag des 13. Mai sollte der Connoisseur DL 4 DC abgegeben werden. Kurz vor der Sperrstunde der letzten Schleuse in Gannay passierten wir diese, fuhren in den Stützpunkt ein, machten zum letzten Mal auf dieser Fahrt fest und zelebrierten ein Abschiedsessen an Bord. Unsere Erfahrungen, die wir in zehn Tagen gesammelt hatten, konnten wir noch am selben Abend an Salzburger Jungvermählte weitergeben, die am nächsten Morgen ihre Bootsfahrt beginnen wollten. Wir wünschten ihnen eine so gute Fahrt, wie wir sie hatten.

Wollen Sie noch etwas von "Hausboot Böckl" wissen? Als der Kapitän nach Hause kam, fand er einen Scheck vor. Rückerstattung des Differenzbetrages zwischen Einweg-Fahrt und Rundfahrt mit Rückkehr zum Ausgangshafen.

Erich Höflinger

 

Familie Höflinger buchte eine Einweg-Tour zwischen Gannay-sur-Loire und Auxerre. Durch einen Defekt am Kanal, der allerdings nach vier Tagen wieder behoben war (Wasser trat durch ein Loch in einem Damm aus) mussten die Urlauber zum Ausgangspunkt zurückkehren.

 

 

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