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Reiseberichte von Hausboot-Urlaubern

 

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Mit dem Schiffshebewerk
geht es 45 Meter bergab

 

Rhein-Marne-Kanal:
Toul – Strasbourg und retour
2 Wochen im Juli



Samstag, 7. 7.
Am späteren Nachmittag sollen wir in Toul, dem Sitz unserer Hausboot-Basis, eintreffen. Vormittags, nach Fahrt durch den nördlichen Schwarzwald und auf den guten französischen Nationalstraßen, geht's über Nancy nach Toul, wo wir, dank genauer Hinweise, heil auf der Bootsbasis eintreffen. Unser Hausboot "Connoisseur Nr. 7" liegt schon bereit, und nach Erledigung der Formalitäten wird das Gepäck bei strömendem Regen vom nebenan geparkten Auto verstaut. Es ist überraschend viel Platz – auch für Koffer – vorhanden. "Sunny Boy" der Basis – ein schifffahrtskundiger Engländer, Ex-Royal-Navy-Hubschrauber-Mechaniker – erklärt uns das Hausboot im besten Englisch und lotst uns auch durch die erste Schleuse zur Mosel.

Nach dieser Einweisung finden wir uns einsam auf der Mosel in Richtung Nancy wieder. Da wir keine Ahnung über die mögliche Durchschnittsgeschwindigkeit haben und bis Strasbourg 180 km zurückzulegen sind (mit 64 Schleusen), probieren wir das Hausboot hinsichtlich Steuerfähigkeit, Geschwindigkeit im Verhältnis zur Dieseldrehzahl aus. Die Rückwärtsfahrkünste eines Einschraubenbootes wollten auch erprobt sein – und vor der ersten Moselschleuse wird etwas unfreiwillig im Vollkreis gefahren.

Um 19.40 Uhr werden an einer Kaimauer vor Liverdun die beiden Pfähle in den nassen Boden gerammt und das Hausboot festgemacht. Die Webastoheizung schafft nach wenigen Minuten angenehme Wärme für das Abendessen. Der Gasherd funktioniert bestens, und bis zum Morgen ruhen wir gut in den Betten der beiden Kabinen. Auch die zwei Yachttoiletten werden "perfekt" genutzt.

Sonntag, 8. 7.
Am späteren Vormittag sind wir in Nancy und beschließen eine kurze Besichtigung. Im Hafen findet sich noch ein Platz. Hier gibt es auch Brot und Trinkwasser. Am Nachmittag machen wir los, und zügig nehmen wir die ersten Schleusen des Marne-Kanals.
Am Abend machen wir in einer Verbreiterung des Kanals bei Grandvezin fest, umgeben von Wald und Reihern. Selbstverpflegung ist allerdings nötig. Das zurückgeschobene Dach des Hausbootes lässt die Stimmung noch freundlicher erscheinen. Der Regen hat aufgehört.

Montag, 9. 7.
In Maixe versuchen wir am nächsten Tag, einzukaufen und mit der Heimat zu telefonieren. Beides gelingt trotz mangelhafter Französisch-Kenntnisse. Schleuse um Schleuse wird nun passiert.
Die Erfassung des Hausbootes durch die Radarsonden für die automatischen Schleusen funktioniert zufriedenstellend. Schleuse 2 mit 15,4 m Hubhöhe und Schwimmpollern als letzte vor der Scheitelstrecke kostet uns eine 3/4 Stunde Wartezeit, da sich der Schleusenwärter erst motivieren muss. In der Scheitelstrecke "ankern" wir nahe Gondrexange und sind mit französischer Kost wieder Selbstversorger.

Dienstag, 10. 7.
Am Morgen Besuch von Gondrexange mit Einkauf und Geldwechsel. Malerische Partien der Scheitelstrecke gleiten an uns vorbei, und wir werden immer neugieriger auf die beiden Tunnel, die vor uns liegen.
Die Durchfahrt ist nicht gerade angenehm (Dieselqualm und schlechte Beleuchtung). Auf Kursabweichungen ist genau zu achten, da die hölzernen Leitschienen zum Teil beschädigt sind. Doch dann sind wir schon vor der Plan incliné (Schiffshebewerk), wo ein Wassertrog die Schiffe als Schrägaufzug zum Tal der Zorn 45 m hinunterbringt.
Viele Besucher sehen dabei interessiert zu. Das malerische Zorntal lädt ein, in Lutzelbourg zu unterbrechen. Von Lutzelbourg fahren wir dann hinter einem deutschen Vergnügungsboot bis nach Saverne, wo mitten in der Stadt eine über 5,43 m tiefe Schleuse zu überwinden ist. In der Zwischenzeit haben wir auch eine gewisse Routine im Schleusenbefahren erlangt, doch gegen Betriebsschluss nützt das auch nichts. Um 19.30 Uhr ist eben Schluss, und die Signale sind finster. In Stambach machen wir fest.

Mittwoch 11. 7.
Ab 9 Uhr – nach dem üblichen Frühstück mit gewärmtem Mürbgebäck oder Milchstrudel – geht es in die nächste Schleusenkette, bis wir bei Hochfelden zu Mittag eine Essensmöglichkeit suchen. In einer sehr einfachen Gaststube werden wir fündig, denn zwecks Pizza waren wir nicht gekommen. Mit einem herrlichen französischen Menü werden wir bedient; die Croquetten sind phantastisch gut.
Gemütlich geht's dann weiter bis ca. 18.30 Uhr zum Wald von Brumath, also nahe bei Strasbourg. Das Nachtmahl im Wald schmeckt ganz ausgezeichnet, bis . . . bis eine Péniche gegen 20 Uhr mit Volldampf vorbeirauscht.
Plötzlich beginnt das Ufer an uns vorbeizugleiten. Sofortiges Starten des Dieselmotors und Rückkehr an die Anlegestelle ergeben, dass sich beide Verankerungspflöcke losgerissen haben, der eine noch an der Leine hängt, der andere jedoch weg ist. Genaueres Sondieren an der Landungsstelle mit den Bootshaken lässt vermuten, dass er im Wasser am Rande liegen müßte. Der Vater findet ihn dann, nachdem er mit Gummistiefeln in den Kanal gestiegen war und sich eine nette Schramme geholt hatte.
Eine nachfolgende zweite Péniche wird – händisch das Boot haltend – abgewartet und dann eine Bucht in 150 m Entfernung mit Pollern am Rande, aber trotz der Abendstunde voll mit Fischern, angefahren. Dort können wir nach 21 Uhr das Abendessen fortsetzen, den Schreck mit Rhônewein hinunterspülen.

Donnerstag, 12. 7.
In flotter Fahrt wird dann über Vendenheim, Schiltigheim die Industriezone von Strasbourg erreicht. Wir fahren beim Palais des Europarates Richtung Ill (Anm.: der Fluss heißt wirklich "ILL") und hoffen, die Innenstadt umrunden zu können.
Bei "Tonneurs" steht aber bei der Schleuse "sauf autorisé" und wir müssen umkehren. Bei "ancienne Douane" bemerken wir jedoch einen Abgang, Ringe an der Mauer, und wir legen an. Rückfrage im Rathaus ergibt die Antwort, dass wir ohne weiteres dort einen Tag bleiben können, und so haben wir für die Stadtbesichtigung einen sehr zentralen Standort. "Son et lumiére" am Abend entschädigt für das Herumgehen und für die Münsterbesteigung. Die Elsässer Küche ist auch nicht zu verachten, wenn auch die Preise nicht so günstig wie in Hochfelden liegen. Für die kommende Rückfahrt wird auch gleich eingekauft, das Wetter ist herrlich geworden.

Freitag, 13. 7.
Abfahrt von Strasbourg um 10 Uhr vormittags. Der französische Nationalfeiertag ist als Kanalbenützer wohl zu beachten, da die Schleusen nicht bedient werden. In Hochfelden scheint ein Volksfest zu sein, denn der Lärm der Blasmusik dringt bis zum Hafen. Wir beschließen, fast bis zur nächsten Schleuse vorzufahren, wo Ruhe herrscht.

Samstag, 14. 7.
Der Ruhetag mit Reiselektüre tut uns gut, ebenso das Spazierengehen am Treppelweg, wo ganze Familien dem Fischen im wahrlich trüben Kanalwasser huldigen.

Sonntag, 15. 7.
Bereits um 7 Uhr in der Früh fährt die erste Péniche an uns vorbei, und wir schwimmen wieder frei im Kanal. Nur haben wir diesmal die Pflöcke fest an die Taue angebunden; so ist wenigstens keiner verlorengegangen.
An diesem Sonntag fahren wir bis Saverne, machen im Hafen fest und im Gasthof "Katz" lassen wir es uns gut gehen. Nachmittags führt uns eine schöne Wanderung auf die Ruine Greifenstein. Am Abend kommt noch eine Überraschung: Wieso, wissen wir bis heute nicht, aber die Bootsschlüssel sind verschwunden. Aufgesperrt hatten wir, im Boot waren wir auch, also sollten die Schlüssel auch da sein.
Nach rund 3 Stunden Suchen in beiden Kabinen, im Salon und in den Gepäckstücken gaben wir den Taschenlampenbatterien Pause und gingen schlafen. Am Morgen bei Tageslicht nochmals 1 Stunde Suche, auch am Hafenkai, jedoch nicht die geringste Spur.

Montag, 16. 7.
Daraufhin Anruf in Toul bei der Basis. 3 Stunden später war die Panne durch Startschlosstausch und Bootsreserveschlüssel behoben. Hatte sich jemand einen Scherz erlaubt – wir wissen es nicht, denn von der Kaimauer konnte man leicht bis zum Tisch greifen - vielleicht auch unbemerkt. Bei herrlichem Wetter geht es das Zorntal hinauf bis zur Plan incliné, wo wir auch fast nicht warten müssen. Gemeinsam mit 4 anderen Booten werden die beiden Tunnel passiert. Bei Niderviller legen wir in einem Hafenbecken mit benachbarter Auberge an, doch wiederum Selbstversorgung, da Ruhetag.

Dienstag, 17. 7.
Gemütlich setzen wir die Fahrt fort und besichtigen die – vom Boot nicht einsehbaren – Badeseen bei Gondrexange. Am Nachmittag kommen wir nach Bataville, wo wir im Fabrikssommerschlussverkauf erstaunlich tiefe Preise für Bata-Schuhe feststellen können. Der abendliche Anlegeplatz neben einer Auberge in Port Ste.-Marie lässt wieder einmal die segensreiche Einrichtung "Ruhetag" spürbar werden, und unsere Bootsvorräte müssen herhalten.

Mittwoch, 18. 7.
Kurz nach der Abfahrt erreichen wir Lagarde, wo wir einen Verpflegungsstopp einlegen und sogar ein offenes Dorfgasthaus entdecken. Auf Vorbestellung wird ein tadelloser Mittagstisch geboten. Auf dem Kanal überholt uns ein Militärboot, mit dessen gut deutschsprechendem Kommandanten – natürlich auch in der Badehose – wir uns unterhalten. Parallel mit diesem Boot, das nach Paris überstellt wird, fahren wir bis etwa Maixe, wo wir an einer Kaimauer anlegen.

Donnerstag, 19. 7.
Das Militärboot hatte seine nächtliche Ankerung etwas früher vorgenommen, holt uns aber am Vormittag spielend ein, und so fahren wir gemeinsam von Schleuse zu Schleuse. Wieder kommen wir an der Kirche St.-Nicolas vorbei – wo Jeanne d'Arc vor der Schlacht gebetet haben soll – die wir aber schon bei der Hinfahrt besichtigt hatten.
Plötzlich bei Fahrt in der Kanalmitte ein Schlag bei der Schraube, und das Boot vibriert. Durch einige Male Umsteuern nach rückwärts wird die Vibration immer weniger und schließlich gibt es sich.
Anscheinend haben wir etwas aufgewickelt, das sich langsam wieder löste. Schon in einer Schleuse bei Strasbourg hatten wir ein ähnliches Erlebnis, wo durch stoßweises Umsteuern auf rückwärts ein Fischernetz zum Vorschein gekommen war. Wir legen in Nancy an und setzen uns schließlich nach dem Mittagessen in der Altstadt, im wunderschönen Park mit Zoo, in den Schatten.
Es sind ja noch Überlegungen zwecks Timing zur Rückgabe am Samstag in Toul zu treffen, und 1 Tag ist sicherlich noch zu fahren.

Freitag, 20. 7.
Nach ruhiger Nacht starten wir dann zu einer letzten Trinkwasseraufnahme im Hafen, und in gemächlicher Fahrt geht es neben leeren Pénichen zur Mosel mit ihren wesentlich größeren Schleusen. Beim malerischen Liverdun wird dann das letzte Mittagessen eingenommen, und in flotter Fahrt geht es gemeinsam mit einem anderen Connoisseur-Boot der Basis zu. Dort liegt bereits ein halbes Dutzend anderer Boote, die auch alle zurückgegeben werden.

Samstag, 21. 7.
Pünktlich wird die Bootskontrolle um 9 Uhr durchgeführt, d. h. der Treibstoffverbrauch mit einem Peilstab ermittelt und der Bootszustand festgestellt. 3 Fender haben wir beschädigt, dafür wenig Treibstoff verbraucht (133 l). Mit dem Wagen geht es dann über die Vogesen, Colmar, in die Schweiz über Basel, nochmals für 2 Tage in den südlichen Schwarzwald.

Diese Bootsfahrt - es war unsere erste - wird nicht die letzte sein.

Dipl.-Ing. Helmut Klein

 

 

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