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Ist eine Hausboot-Fahrt erholsam?

 

Canal du Nivernais:
Auxerre – Châtel Censoir und retour
1 Woche im August



Blättert man Urlaubsprospekte mit ihren Abbildungen von Stränden und Hotelanlagen durch, die sich doch alle im Grunde gleichen, und stößt man dann auf ein Angebot zur Anmietung von Hausbooten, so wird man sich vielleicht zunächst denken, dass dies für einen, der noch nie so ein Hausboot gesteuert hat, nichts sei und nur für wagemutige, abenteuerlustige junge Sportsleute geeignet wäre. Der einzige Mut, den man jedoch aufbringen muss, ist der, ein solches Hausboot zu mieten.

Es ist dies wie eine köstliche, aber unbekannte Speise, man muss bloß die Courage aufbringen, hineinzubeißen. Um sich zu erholen und auch den Mitfahrenden jeglichen Stress zu ersparen, muss man ferner den festen Vorsatz haben, keinen sportlichen Ehrgeiz entwickeln zu wollen.

Äußerst geeignet für ein solches erholsames Unternehmen ist eine Fahrt mit Hausbooten in Burgund auf dem zum so genannten Canal du Nivernais ausgebauten Fluss Yonne mit dem Ausgangspunkt Auxerre (Anm.: Basis wurde nach Migennes verlegt). Obgleich Auxerre mit dem Pkw relativ bequem und größtenteils auf Autobahnen erreicht werden kann, ist es ratsam, den Zug zu nehmen.

Man fährt am späten Nachmittag von Wien oder Salzburg nach Paris, kommt am Gare de l'Est in der Früh an, frühstückt angenehm in einem Bistro, wandelt sich gleichsam allmählich zum Franzosen, fährt sodann mit der Métro oder einem Taxi zum Gare de Lyon und erreicht nach etwa zweistündiger Fahrt Auxerre.

Vom Bahnhof sind es mit dem Taxi knappe fünf Minuten bis zur Bootsbasis. So erhält man sein Hausboot noch lange bevor die ersten ermatteten Autofahrer eintreffen. In aller Ruhe und Behaglichkeit richtet man sich an Bord ein, lässt sich die wenigen Handgriffe zur Bedienung des Hausbootes erklären, lässt sich vom Instruktor auf einer Probefahrt einschulen und verlässt dann den Hafen. Keinesfalls soll man jedoch, von der Problemlosigkeit der Handhabung des Hausbootes ermutigt, voller Tatendurst schon am ersten Tag eine bedeutende Strecke zurücklegen. Das Steuern eines Hausbootes ist kein Leistungssport. Man trachte lediglich, in südlicher Richtung die Stadt zu verlassen.

Auf spiegelglattem Wasser, ohne erkennbare Strömung, gleitet man mit dem Hausboot dahin. Bald ist eine Schleuse zu durchqueren, und verwundert stellt man fest, wie einfach dies ist, wie hilfsbereit die Schleusenwärter auch dem ungeschicktesten Hausboot-Fahrer beistehen. Nach etwa dreistündiger Hausboot-Fahrt sollte man bei dem kleinen Dorf Vincelles festmachen.

An Bord befinden sich ein Hammer und zwei große eiserne Nägel. Schnell sind diese Nägel in das lehmige Erdreich getrieben, ist ein Tau um sie gewickelt und der Landungssteg ausgefahren. Man begibt sich an Land, durchstreift das altertümliche Dörfchen, speist ganz vorzüglich in einem Landgasthaus und begibt sich wieder an Bord, hat ein Appartement mit Dieselheizung, Dusche, WC, Küche und mehreren Räumen zur Verfügung – ein Appartement, wie man es besser in diesem Dorf wohl nicht erhalten könnte. Samtartig breitet sich die Dämmerung aus, und eine Nacht mit unzähligen Sternen, eine Nacht, wie sie der Städter kaum mehr kennt, erstrahlt.

Keine Straße mit ihrem Verkehrslärm ist in der Nähe, kein Laut stört die Ruhe der Nacht. Man reflektiert das bisher Erlebte, blättert in der Flusskarte, überlegt, welche Strecke man am nächsten Tag zurücklegen will und schläft bald ein, schläft in den komfortablen, mit Decken und Pölstern reich versehenem Bett so gut wie selten.
Am Morgen, wenn die ersten zaghaften rötlichen Sonnenstrahlen noch von den aus den Wassern aufsteigenden Nebelfahnen gebrochen werden, sollte man kurz die Heizung einschalten und das Frühstück bereiten, denn nichts ist erholsamer, als zeitig schlafen zu gehen und ausgeruht den Morgen zu genießen. Sodann sticht man gleichsam wieder in See. Nach etwa drei Stunden Fahrt kommt man zum Städtchen Cravant.

Hier sollte man anlegen und den Rest des Tages verbringen. So hat man Zeit, seinen Proviant zu ergänzen, eines der bescheidenen Landgasthäuser zu besuchen und durch die uralten stillen Gassen dieses seltsamen und wunderlichen, von den Zeiten so unberührt dahin schlafenden melancholischen Städtchens zu spazieren.
Mit Einbrechen des Abends gehe man wieder an Bord, um noch ein wenig in einem Buch über die Geschichte dieses Landstriches zu schmökern. Ganz anders wird einem dann die Kirche von Cravant erscheinen, wenn man weiß, dass sie schon stand, als hier im Jahre 1423 in äußerst blutiger Schlacht die Engländer die königlichen französischen Truppen schlugen, oder dass in dem unweit davon gelegenen bescheidenen Schlösschen die leidenschaftliche, vollblütige Madame de Staël, von Napoleon verbannt, leben musste. Am nächsten Tag fahre man nicht weiter als bis Mailly-le-Château, das man etwa gegen Mittag erreicht. Auf hohen Kalkfelsen erhebt sich hier ein Schloss mit weit ausladender Terrasse, die einen herrlichen Fernblick gewährt.

Grau, trutzig wie ein Felsblock, bewacht den Ort eine wuchtige Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Unter den Häusern, die sich um den Fuß des Kalkfelsens schmiegen, befindet sich ein Gasthaus, das eine ganz wunderbare Küche bietet. Tags darauf sollte man bis Châtel Censoir reisen und hier einen Tag zur Besichtigung der Stadt und einen Tag für einen Ausflug mit dem Taxi nach dem etwa 18 km entfernten Vézelay verwenden.

Dieser Ort, auf einem Hügel errichtet und von der wuchtigen Abtei von Sainte-Madeleine überkrönt, ist einmalig. Die Kirche, in der die Gebeine der hl. Maria Magdalena aufbewahrt wurden, war im 11. Jahrhundert das Ziel gewaltiger Pilgerströme aus dem gesamten Abendland. Zum dritten Kreuzzug brachen von hier König Philipp von Frankreich und König Richard Löwenherz von England auf.
Der hl. Ludwig weilte hier, und selbst der hl. Franz von Assisi hat hier seinen ersten Minoriten-Konvent auf französischem Boden gegründet. Von Châtel Censoir fahre man nunmehr mit beliebigen Aufenthalten wieder zurück. Man versäume aber nicht, einen kurzen Halt in Escolives Sainte-Camille einzuplanen, da hier, inmitten der Felder, sehr interessante Ausgrabungen aus römischer und merowingischer Zeit zu sehen sind.

Zurückgekehrt zum Ausgangspunkt der Reise, in Auxerre, sollte man noch eine Nacht verbringen, um diese wunderschöne Stadt mit ihren uralten Domen zu durchstreifen.

Wenn man sodann sein Boot zurückgegeben, von ihm wie von einem Freund Abschied genommen hat und den Zug zur Heimfahrt besteigt, empfiehlt es sich, in der auf halbem Weg zwischen Auxerre und Paris gelegenen Stadt Sens für einen Tag zu unterbrechen. Man wird diesen Zwischenstopp sicherlich nicht bereuen.
Nicht nur die gotische Kathedrale, die erste Frankreichs, der Synodalpalast mit seinen grauenhaften, die ganze heuchlerische Erbärmlichkeit menschlichen Tuns offenbarenden Gefängnissen, und das sehr große, die Geschichte Burgunds beleuchtende Museum sind sehenswert, vor allem das ganze Flair dieser Stadt, ihr noch intakter Provinzialismus, ihr von keiner Fremdenverkehrsindustrie verdorbener französischer Charme begeistern.


Wenn man letztlich nach einer Woche voller Erleben sanft geschaukelt im Schlafwagen heimwärts rollt, hat man die Gewissheit, dass es nichts Erholsameres gibt als eine gemächliche Fahrt mit dem Hausboot, und man wird vielleicht im Halbschlaf schon den nächsten Bootsurlaub planen.


Dr. Hans Marek

 

 

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